[ZeilenSprung] Saphirtränen von Jennifer Jäger


Vorwort:

Die Autorin, dessen Buch, Saphirtränen ich euch heute vorstelle, ist als deutsche Indie Autorin auf Book Rix bekannt. Persönlich stieß ich jedoch nicht anhand ihrer Werke auf sie, sondern durch ihre Kolumne.




ZeilenSprung:

Der Prolog beginnt mit der wohl bekanntesten Geschichte der Erde, der Entstehungsgeschichte. Wundervolle Bilder werden durch die Leichtigkeit der Sprache erzeugt und ich musste schmunzeln, als von dem Feuer, den Dämonen die Rede ist, denn man muss unwillkürlich an Ausbrüche von Vulkanen und riesigen Lavaströmen denken.
Der Prolog leitet perfekt diese Fantasy-Geschichte ein, sodass man erwartet, dass es ebenso mystisch weiter geht. Doch es geht nicht so weiter, wie man es sich denken mag und ich persönlich finde den Sprung ziemlich gelungen, denn nicht umsonst würde der Prolog seinen Namen tragen. Das Innenleben der Figur Niamh, von welcher man schon ein Gesamtbild aus der bloßen Begebenheit des ersten Eindruckes gewinnen kann, ist sehr gut nachvollziehbar. Nur allzu gut, kann ich nachvollziehen, wie sie sich fühlt. Um dies zu verdeutlichen springen wir einmal zwischen die Zeilen und erleben diesen Fantasy Roman mit meinen Augen.


Die Menschen entwickeln sich stetig weiter, nur wir scheinen für immer in der Vergangenheit verhaftet zu bleiben.



Deutlich kann ich verstehen, warum ihr Traditionen nicht so gefallen, wie es sein sollte. Schon alleine sie beweist meines Erachtens nach, dass das was sie denkt sich widerlegt. Sie gehört ja schließlich zu diesem Volk. Und keineswegs ist sie jemand, die nur zurück schaut. Deswegen denke ich, ist sie die perfekte Heldin. Nach vorne blickend und strebend, aber dennoch tief in den alten Traditionen stehend. Halt . . . Sagte ich nicht gerade was anderes zum Charakter dieser Figur? Nun, durch den Prolog hatten wir eine Sicht auf die Schmuckstücke vergangener Tage und ich persönlich denke schon jetzt daran, dass sie auf diese Schmuckstücke treffen und diese verwahren wird. Deutlich sehe ich, wie sich meine Vorahnung zu manifestieren beginnt. Es ist nichts Schlimmes dabei, dass diese Hauptfigur im ersten Moment anderen Protagonisten aus Fantasy-Romanen gleicht. Sehr oft, selbst in den bekanntesten Fantasy-Büchern wird eine solche Figur eingeführt. Denn sie ist immer diejenige, welche am Besten handeln kann, ohne dass sie lange nachsinnt.
Persönlich gefällt es mir, dass die Autorin Jennifer Jäger dem Leser zum einen einige Dinge detailgetreu schildert und dann zum anderen nicht alles vorgibt.
Das Dorf ist nicht bis in das kleinste Detail beschreibt, dass man sich so seine eigene Version zusammenbasteln kann - und dies ist, so finde ich, des Lesens wahrer Geist; die Fantasie auf eine Reise zu nehmen. Und tatsächlich tauche ich schon in diese Geschichte ein. Sehr gut wird das Beschrieben, was Niamh denkt und fühlt, wie sie etwas Besonderes ist, sich aber dafür schämt.
Nun denn, langsam beginne ich den Titel des Buches zu verstehen – oder glaube es zumindest, es könnte auch eine geschickte Finte der Autorin sein, dass man denken mag, dass die blauen Augen der Hauptprotagonistin und die Tränen der Göttin (oder auch ihre eigenen die sehr oft über ihr kantiges Gesicht laufen) des Rätsels Lösung ist.
Die Figuren, welche vorkommen verschwimmen, wirken ziemlich schmal, eine einzige neben Niamh jedoch wird stark charakterisiert und ins Licht geschoben. Ariel ist jemand, der wichtig ist. Sie ist die Dorfälteste und wie mir scheint hat diese ein Geheimnis zu verstecken. Nun, warum geht sie so sorgsam, wie eine Mutter, mit Niamh um? Warum versteht sie das Wesen dieser Ilyea versteht? Ist sie am Ende ihres Blutes, dass Ariel sie so gut verstehen mag?

Die nachfolgenden Seiten sind mit einer turbulenten Vorgehensweise gestückt, bei welcher es schließlich darin gipfelt, dass man herausbekommt, dass der smaragdgrüne Ring das ist, was die Dämonen wollen. Ebenso wie ihr „Saphiräugelein“, welches nun mit der so verhassten Magie und den Traditionen zwangsläufig in Berührung kommt.
Auch die starke Anziehungskraft zwischen dem vermeintlichen Dämon und ihr wird gut dargelegt, obwohl ich finde, dass es zu viel ist. Ich persönlich finde, dass zu viele unnötige Berührungen beschrieben werden und die Verwirrung ihrerseits, dass sie ihn trotz der dunklen Seite anziehend findet. So wie sie die Ausstattung beschreibt, das helle hervorhebt, schleicht sich der Gedanke in mich, dass er gar kein Dämon ist. Dies würde dann auch diese starke Anziehungskraft beweisen. Springen wir nun zwischen die Zeilen zu einer Wendung, welche wahrlich gut gelungen ist.

"Mein Vater war ein Dämon. Ein Dämon, der sich verliebte."

Unter gewissen Umständen betrachtet, wird dieser Satz ziemlich vorhersehbar, aber wenn man sich ganz auf diese Geschichte eingelassen hat, ist sie gerade das Schöne. Das Schöne zu wissen, dass man gut den Gedanken von Jennifer Jäger folgen kann. So wird die ganze Geschichte erst richtig verständlich, wenn man weiß, dass man den Gedanken folgen und sich nicht vor lauter Grübeln nicht in in den Sog dieser fantastischen Geschichte ziehen lassen kann. Und nun wird durch dieses Halbblut (was keineswegs abwertend klingen soll) gezeigt, dass auch Niamh nicht von denen abstammt, von welchen sie immer dachte. Springen wir also wieder zwischen die Zeilen.
„Mit diesen wunderschönen, saphirblauen Augen ist es wirklich ein Kunststück, dich als reinblütige Wald-Ilyea zu verkaufen. Du trägst das Meer in den Augen und im Herzen.“


Ich habe mich gefreut, als ich das gelesen habe. Natürlich hätte es einige Generationen überspringen können, dass sie die "Augen des Meeres" hat, aber viel wahrscheinlicher war es für mich, dass sie aus einer Liaison zwischen zwei unterschiedlichen Wesen entstand. Nun, dass was überraschen könnte, ist die Aufgabe, welche ihnen zu Teil werden sollte. Kinder zu zeugen, welche alles in sich vereinen. Ich an Niamhs Stelle hätte bloß nicht so reagiert, sondern noch viel schlimmer. Nun folgen Seiten, in denen sich Niamh und Edan näher kommen. Es wird beschrieben, warum der Halbdämon nun zu dem wurde, was er war und dass er ebenso wenig die Aufgabe an sich nehmen will, die sein „Gönner“ ihm auferlegt hatte. Dennoch ist die Beziehung zu seinem „Gönner“ so wie zu einem Vater, welcher von seinem Sohn enttäuscht ist.
Also kommt es nun bald zu einem Fluchtplan, welcher einfach aber effektiv erscheint. Gut gefällt mir, dass Niamh nicht so blauäugig in Bezug auf Edan ist, wie ihre tatsächliche Augenfarbe und einige wirklich naive Taten vermuten lässt. Und so schmiedet sie sich selbst einen Plan, um Edan zu entkommen.

Nun, da ich das Sammelband als eBook besitze, hört Saphirtränen hier nicht für mich auf und im zweiten Teil bekommt man nun eine andere Perspektive zu Gesicht. So wird man zuerst aus der vorhandenen erzählten Geschichte herausgeworfen, weil man mit einer einem noch unbekannten Person wieder ins Geschehen eingeleitet wird.
Auch hier spürt man deutlich, dass auch Enya mit ihrem Schicksal hadert, obwohl sie mit all den Traditionen und dem Gedankengut ihres Volkes aufgewachsen ist. Aber was wären nun mal „Helden“ ohne ihr tragisches Schicksal, welchem sie sich zu entziehen versuchen? Bald begibt sich also auch diese Figur auf die Reise, um das Diadem der Meer-Ilyea an einen Ort zu bringen, wo es sicherer sein wird, als an dem Ort, wo es sich zurzeit befindet. Doch nicht nur Enya hadert mit ihrer Aufgabe. Jennifer Jäger lässt in einer kurzen Passage die Grenze der erzählenden Personen verschwimmen und so erhält man einen Einblick in die Gefühlswelt von Enyas Vater, Stammesoberhaupt der Meer-Ilyea. Durch den Grund, dass nur Mitglieder ihrer Familie das Diadem berühren können, kann man als geübter Leser schnell zu der Vermutung geraten, dass nun Niamh Teil dieser „königlichen“ Familie ist. Ob nun allerdings Enyas Mutter oder eine andere Person aus der engen Familie Enyas mit einem Erd-Ilyea eine Liaison einging, darauf weiß ich noch keine Antwort. Ist es die Mutter/der Vater von Enya, so würde es eine Wendung nehmen, da sie [Enya und Niamh] Halbschwestern sein würden.

Dadurch, dass Enya innerhalb weniger Zeilenabschnitte mehrmalig hinfällt, bekomme ich den Eindruck, dass sie ziemlich tollpatschig ist. Dennoch denke ich, dass dies nicht beabsichtig war und scheinbar nur geschrieben wurde, damit die Autorin das los wird, was in ihrem Kopf alles herumschwirrt und niedergeschrieben werden will. Die Suche im Wald, die Verzweiflung Enyas und ihre Sehnsucht nach wohl bekanntem sind vollkommen nachzuvollziehen, auch wenn diese Reaktionen so plötzlich gekommen sind ohne, dass man als Leser ihre Emotionen nach vollziehen hätte können. Urplötzlich ohne jegliches zu spüren oder sich hineinversetzten zu können. Und als dann Enya und der Pegasus erschöpft und betäubt durch diese vollkommen andere Welt, die nicht der ihren gleicht, zu Boden sinken, endet ihr Erzählstrang. Aber ich bin mir sicher, dass ich nochmals von ihr lesen werde.

Kommen wir also wieder zu Edan und Niamh. Was mir jetzt mit dem Lesen des zweiten Kapitels im zweiten Teil auffällt, ist die Tatsache, dass Niamh ziemlich schnell ohne dass wir Leser viel davon mitbekamen, die Töne/Melodien/Gesänge hören kann und sich trotz ihres störrischen Verhaltens am Anfang schnell damit angefreundet hat. Nun, nicht ganz für mich nachzuvollziehen, auch wenn sie von ihrer Dorfältesten den „Auftrag“ bekam, dass sie den Elementen Vertrauen sollte. Nun, aber dies ist jetzt erst einmal nebensächlich, genauso wie einige Taten, welche Niamh vollzieht, ohne dass diese besonders wichtig für die Handlung wären. Ich finde aber, dies lässt sie etwas lebendiger erscheinen. Belanglose Tätigkeiten, welche dann zu keinen Ergebnis führen.
Ich finde, dass es wieder an der Zeit ist zwischen die Zeilen zu springen und Euch an meine Gedanken Teil haben zu lassen.


Naiv zu sein ist nicht meine Art. Selbstverständlich ist ihm nicht egal, was mit mir passiert. Ich bin die einzige lebende Ilyea, mit der er ein Kind zeugen kann, das die Weltherrschaft an sich zu reißen vermag. Dieser Gedanke versetzt mir einen harten Stich ins Herz. Merkwürdigerweise wäre es mir lieber, wenn ich an seine Aufrichtigkeit glauben könnte. Daran, dass zwischen uns mehr ist, als eine bloße Zweckbeziehung.


Wie ich schon sagte, gefällt es mir gut, dass sie nicht so blauäugig in Bezug auf Edan ist wir ihre Augenfarbe und sie in anderen Situationen. Dass sie Skepsis gegenüber Edan empfindet ist gut gelungen, ebenso wie die Zerrissenheit ihm gegenüber. Ich bin mir außerdem sicher, dass es für Edan keineswegs eine Zwecksbeziehung ist, wie sie es vermutet. Warum? Nun, dass ist so ein Gefühl. Die Spitznamen, welche er ihr gibt, mit diesen variiert und wie er sie neckt, sind für mich Verursacher für dieses Gefühl.

Nun folgt wieder ein Wechsel des erzählenden Ichs und wie ich mir schon dachte, begegnen wir Leser wieder Enya. Um zu zeigen, was mich wundert, springen wir wieder zwischen den Zeilen.



Sie sieht schwach und unterernährt aus, während Enya eine volle Kampfausbildung hinter sich hat. Gegen solch ein gebrechliches Wesen wird sie sich wehren können


Nun, von der vollen Kampfausbildung hatte ich bisher nichts bemerkt. Sie ist nicht gerade die Figur, welche man damit assoziiert. Keineswegs kam dies in den vorhergegangenen Beschreibungen hervor, denn, wie ich schon beschrieb fällt Enya ziemlich oft hin, sodass man auf einen eher tollpatschigen und zerstreuten Charakter schließen kann, als eine Kämpferin. Ebenso kommt sie von den beschriebenen Charakterzügen ebenso nicht zur Geltung; Enya strahlt nicht gerade aus, dass sie eine volle Kampfausbildung genossen hatte. Es folgt nun ein minderes hin und her von dem Gespräch zwischen Enya und der Nixe Undine. Nun wird es auch philosophisch, was ich sehr gut verstehen kann, doch dass Enya so schnell Toleranz zeigt, obwohl sie mit Jahrhunderte langen Traditionen aufgewachsen und diese in ihr verankert sind. Dies wurde ja schon sehr deutlich, als sie die Aufgabe angenommen hatte ohne zu widersprechen, weil man es von ihr erwartete. Nun ist diese Sinneswendung zwar begrüßenswert, aber nicht nachvollziehbar, ebenso wie die Handlung, dass Undine nun nach dem sie Enya ihre Weisheit erzählt hatte, einfach so das Diadem aushändigte. Was kann also auch diesen Sinneswandel herbeigeführt haben? Dass der Feind stärker ist und Undine dabei vernichtet werden könnte? Nun gut, dies wäre eine Möglichkeit, welche aber keineswegs im Handlungsverlauf vorkam. Natürlich kann man aus Enyas Perspektive nicht den Wandel von Undine beschreiben; was in ihr vorgeht. Wollen wir also nun wieder zwischen die Zeilen springen.


„Was ist denn eine Nixe, Kind des Meeres? Was genau trennt mich von dir? Was unterscheidet uns? Ist es meine Schwanzflosse? Meine Ernährung? Meine Denkweise? Was definiert unser vergangenes, jetziges und zukünftiges Wesen? Wem ist es erlaubt, ein Urteil über uns zu fällen? Wieso werde ich als Kreatur des Schattens bezeichnet, während du freundlich aufgenommen wirst? Weshalb sollte ich jene nicht töten, die mich verachten und hassen?“ Fassungslos schnappt Enya nach Luft. Sie weiß nicht, was sie den scharfen, durchdachten Worten der Nixe entgegnen soll. Scheinbar sind diese Wesen intelligenter, als sie bisher annahm. „Ihr erzählt euch, dass wir dumm sind, weil ihr uns nicht versteht“, fährt Undine fort, als könne sie Enyas Gedanken lesen, „wenn ihr etwas nicht versteht, weil es anders ist, ist es gleich falsch, dumm und böse. Dabei wollen wir einfach leben – So wie ihr.“


Dieses Zitat gehört zu meinen Liebsten Zitaten aus Saphirtränen  Auch wenn es womöglich ziemlich tiefsinnig und predigend ist. Aber dieses Zitat hat nun mal etwas an sich, was ich schätze. Hier wird deutlich, dass ein Fantasy-Buch nicht fern der Realität sein muss. Und so sollte ein Buch auch sein.
Nun, nachdem Enya ihre Aufgabe mit vollster Zufriedenheit erledigt hat, wird ein weiterer Erzählstrang angerissen. Dieses Mal wird grausam gezeigt wie weit das Böse in dieser Geschichte geht. Menschenopfern mit kleinen Säuglingen. Nun, ich finde, dass, wenn es so bleibt dieses heftige Schwarz und Weiß malen, wird es etwas langweilig für mich, zumindest was es im Bezug auf die Seite von Edans Meister gemeint ist.

Nach diesem kurzen Einblick in die Grausamkeit des Bösen in dieser Fantasy-Geschichte, begegnen mir im nächsten Kapitel wieder die Altbekannten Figuren Niamh und Edan. In dieser Sequenz wird deutlich, warum sie sich beide anziehend finden. Natürlich liegt es zum Teil an den Genen, welchen Partner wir uns wählen, aber dass Niamh sich so naiv diesem Willen beugt ist mir schleierhaft. Auch wenn sie daraus wieder Nutzen schlägt und Edan unter Kontrolle hat, als sie den Ring nun endlich singen hört. Nun gut, dennoch ist Niamh mir sympathisch, obwohl sie mir vorkommt wie der Urtyp der Heldin, welche sich dem Schicksal widersetzen will, aber dennoch genau das macht, damit da Schicksal eintrifft. Aber diese Art von Personen gibt es zu Hauf in der Fantasy-Literatur, weswegen dies hier kein Kritikpunkt ist. So sieht nun einmal der Held im Fantasy-Universum aus.

Die Passage, in welcher wieder Enya erzählt scheint mir unpassend. Eine für mich lahme Entwicklung tritt ein. Dies hätte man auch weglassen können, da nur davon geschrieben wird, dass sie entkräftet, müde und sich auf der Reise zum Festland begibt. Diese etwas unnütze Information stört aber nicht den Lesefluss und schon bald wird wieder die Perspektive geändert. Dies lässt das Geschehen nun relativ schnell und gehetzt wirken, ohne wirklich direkten Einfluss auf das Vorankommen der ganzen Geschichte anzutreiben.
Nun jedoch kommt man zu einer Figur, dessen Namen mir wohl bekannt ist. Aus Jennifer Jägers Blog weiß ich, dass sie Harry Potter Fan ist. Hat sie deshalb den Namen Cedric für ihre jetzige Figur gewählt? Nun denn, vielleicht muss ich mal im Blog nachschauen, ob ich da diese Frage gelöst bekomme.
Am Anfang dieser Perspektive bekommen wir Leser einen Einblick, welcher so typisch Mensch ist. Deswegen begeben wir uns mit einem Sprung zwischen die Zeilen.


Obwohl die Stadt direkt am Fuß des weitläufigen Gebirges liegt und damit ein perfekter Handelspunkt ist, weigert sich der Großteil der Bevölkerung hartnäckig, Handel mit den Ilyea zu treiben. Furcht, Hass und alte Moral halten sie davon ab und zwingen sie in ein Leben voller Armut, Krankheiten und Enttäuschungen. Lieber tragen sie dreckige Lumpen am Leib als sich mit den kinderfressenden Ilyea einzulassen. Doch das ist nicht immer so gewesen: Vor langer Zeit lebten Berg-Ilyea in den Häusern der Menschen, trieben in Arg’e Handel und erfreuten sich dank ihres Bernsteinschmucks großer Beliebtheit. Bis das Kind einer Bauersfrau tot im Keller eines ilyeaischen Schmuckmachers gefunden wurde. Dieser Tag und diese Entdeckung änderte alles. Die Ilyea wurden aus der Stadt gejagt, die Bernsteinvorräte als schwarze Magie gehandelt und vergraben. Dass nicht der Ilyea, sondern ein Verehrer der Frau ihr Kind getötet hatte, erfuhr nie jemand.


Ich finde, dass Jennifer Jäger mit diesem Zitat so schön in die reale Welt passt. Schon oft wurden ganze Völker diskriminiert, weil ein anderes Volk ihre Kultur, ihren Glauben, ihr Aussehen und ihre Sitten befremdlich fanden. Und oft führte auch ein Ereignis dazu, dass diese Völker Ausgestoßene und Verstoßene wurden, obwohl sie nichts dafür konnten. Und nun sind alle Völker vertreten und ich muss bei dieser Figur relativ häufig schmunzeln; wobei ich nicht weiß, ob dies an dem Namen liegt oder tatsächlich an der Figur und wie sie sich aufregt über diese prekären Verhältnisse einer mittelalterlichen Stadt. Kurz kommt mir der Gedanke, ob es auch richtiges Fantasy ohne diesen Mittelaltercharme. Urban Fantasy könnte ja auch mal in einer Stadt der Zukunft spielen - aber ob das den Anhängern so gefallen würde . . . Aber bevor ich abschweife, geht es weiter im Text.

Viel zu früh endet, meines Erachtens nach, die Perspektive von Cedric (und ich kann mich immer noch nicht daran gewöhnen, nicht den Cedric aus den Harry Potter Büchern zu sehen - und nein, nicht wegen Robert Pattinson, der Cedric spielte) und wir gelangen wieder zu unserer Hauptprotagonistin, ohne nicht aber vorher Cedrics Auftrag herauszufinden, bei welchem ich gespannt bin, wie dieser wohl schief gehen mag.

Nun endlich nach langen Seiten der Suche haben Niamh und Edan das Versteck des Ringes gefunden. Und auch hier fällt mir auf, dass der Sinneswandel für mich nicht nachvollziehbar ist. Warum die Birke/der Wächter nicht den Ring bei sich behält und ihn in sich barg und auch jedem Abkommen des Stammes die Herausgabe verwehrte, ist mir schleierhaft. Schließlich konnte sie Edan spüren, als würde sie auch den anderen Dämon, Deargh, spüren, wenn dieser dort auftauchen würde. Und ebenso auch die Gedanken lesen kann und somit wüsste wie es um die Loyalität der einzelnen Volksangehörigen steht. Aber gut, es soll die Geschichte voranbringen.

Nun, da sie im Reich des Dämons sind, wird mir das mit dem Singen und dem verändern des Liedes ziemlich bekannt aus der Windsänger-Trilogie. Aber es gibt keinen Gedanken der nicht schon einmal gedacht wurde und es kommt darauf an, wie der Autor seine Inspirationen und Gedanken neu formt. Außerdem heißt es ja nicht, dass die Autorin sich genau dieses Buches bedient hat, sondern es mich lediglich daran erinnert. Und Jennifer Jäger schafft nur allzu gut, etwas Neues zu schaffen. Neben diesem Zusammensetzen schafft sie es hier auch, dass ich unwillkürlicher Weise wirklich ein Lied im Ohr habe und ich sehe es bildlich vor mir, wie Niamh das verdorrte Blatt wieder zum Leben erweckt.

Und dann bricht es wieder ab. Zu schnell meines Erachtens, aber ich werde getröstet. Cedric habe ich schnell ins Herz geschlossen (was nicht nur am Namen liegt). So bekommt man nun die triste Wirklichkeit und das leere Menschendasein in der Stadt mit. Auch wenn Jennifer Jäger hier nur einige Seiten füllte, ist es ihr dennoch gelungen mit wenigen Worten ein ziemlich ödes Bild in meinem Kopf zu pflanzen und nur zu hoffen, dass bald diese Stadt wieder erblühen wird.

Und wieder schwenkt die Erzählungssicht. Doch da man die Figuren nun kennt, ist es einfacher sich wieder hineinzufinden. Aber kaum hat man begonnen zu lesen über Enyas Gefühlswelt, schon schwenkt es wieder und ich muss gestehen, dass dies nun wirklich nervt. Hin und wieder ein Schwenk ist in Ordnung, aber für mich sind diese zu kurzen Passagen eher lästig als informativ. Sie füllen nur weiter das Handeln mit Banalitäten an, ohne dass es wirklich eine Wirkung auf den Handlungsverlauf hat. Aber ich freue mich darauf, dass sie alle vier bestimmt zusammen treffen werden; hoffe ich zumindest.

Niamh und Edan kommen sich nun näher, doch immer noch denke ich, dass Edan auch hin und her gerissen ist und nicht so recht weiß, ob er sie aus sich heraus lieben soll oder nur weil sie jemand ist, den er braucht. Und als sie schließlich dort sind, was ihre Aufgabe von Edans „Herren“ ist, beschließen sie diesen Ausrutscher tot zu schweigen. Schließlich kommen sie nun zu dem Dorf, in welchem sich Cedric ebenso befindet und schon sind wir wieder auch in seinem Erzählstrang. So hört Cedric nun von den Neuankömmlingen und wie er ja aufgetragen bekommen hat, begibt er sich zur besagten Stelle und trifft dort auf Niamh und Edan, welche seine Hilfe annehmen. Nun sind also schon zwei Stränge zu einem verwachsen und ich hoffe darauf, dass der dritte auch noch dazu stößt.

Und hier wird sehr deutlich, dass Niamh sich ziemlich stark von ihren Gefühlen beeinflussen lässt. Sie wird jetzt nun auch in ihren Gesten naiv, wie das Wippen mit den Beinen oder das Zwirbeln ihrer Haare. Nun und das Edan eifersüchtig wird, beweist auf alle Fälle dass er etwas fühlt. Und während die drei also wieder versuchen miteinander klar zu kommen, wird wieder geschwenkt in Richtung des Erzählsstrangs von Enya, welcher aber nach ein paar Zeilen wieder endet und zu Cedric, Niamh und Edan zurück kehrt. Diese sind nun am Heimatdorf von Cedric und auch Edan und da Niamh ja zum Dorfältesten gebracht werden soll, lernen wir nun auch die entzückende Stadt von Cedric kennen. Wundervolle Kleinarbeit, welche man sich dank Jennifer Jägers Gabe perfekt vorstellen kann, taucht man schnell in dieses Dorf ein und lässt sich weiter hineinziehen. Aber jedes Volk hat seine eigene Weisheit und nun ist auch dieses an der Reihe und weißt in einer schönen Gesichte auf, wie Hass und Machtgier einen Menschen zerstören können.

Und schließlich dauert es nicht mehr lange und auch der dritte Erzählstrang dringt in das Hauptgeschehen ein. Natürlich ist Enya vollkommen entrüstet über das Halbblut und sieht Niamh beinahe schon als minderwertig und nicht fähig an, obwohl ihr auch sehr bewusst ist, dass dieses Halbblut ihr Diadem stehlen würde können. Man merkt deutlich die Abneigung, welche von Jennifer Jäger gut beschrieben wurde. Dennoch ist da etwas, was meinen Gedanken bekräftigt, dass sie Halbschwestern sein könnten.
Dann als alles sich wieder langsam abebbt beginnt die Übelkeit von Niamh, welche ich als Schwangerschaftszeichen deute. Und dies wird im dritten Teil auch sofort im ersten Kapitel bestätigt. Schließlich entscheidet sich Enya durch ihre Verbundenheit mit dem „Mischblut“, dass sie Niamh hilft, auch wenn dies ihre Prinzipen über den Haufen wirft - wieder etwas, was mich in meinem Denken bestärkt.

Endlich erfahren wir auf der Reise, dass Edab der Neffe von Cedric ist. Auch erfahre ich, dass Edans Vater scheinbar doch nicht so voller Liebe gewesen war, wie Edan in seiner Geschichte um seine Zeugung erzählt hatte - was mich sofort darauf lenkt, dass dieser Vater ein grausamer Mann gewesen sein muss und so drängt sich der Verdacht, dass Edans „Herr“ der Vater sein könnte, da dieser die einzige vorkommende Figur mit bösen Potenzial ist.

Und wieder gibt die Wächterin schnell und nicht nachvollziehbar nach. Als Niamh die Hölle verlässt wird einem dann die Geschichte von Ariel nahe gelegt – und mein Verdacht, dass diese hervorgehobene Figur von Niamhs Blutes ist, bestätigt sich, denn es ist ihre Mutter. Deswegen diese fürsorgliche Art, dieses erkennende und wissende.
Die Reise führt nun in die Dämonenberge und dort geschieht etwas, was vollkommen atemberaubend ist. Dies ist so bildlich dargestellt, dass man dieses göttliche Wesen sich in seiner Vollkommenheit vorstellen kann. Nun da Edan Enya töten will (oder zumindest ihr das nehmen will, was sie noch am Leben lässt), reagiert Niamh ziemlich unbedacht. Sie merkt urplötzlich, dass Edan kalt ist. Sie will dem Erbe ihrerseits Elementes entgehen und versucht sich zu schnell einzugestehen, dass sie ihn nicht mehr liebt. Dies ist eine schnelle und nicht nachvollziehbare Wendung, da man hier nicht spüren kann, weswegen sie auf einmal all ihre Liebe verliert. Aber für den Verlauf der Geschichte ist dieser Wandel wichtig.

Und nachdem der „Dämonenfürst“  auftaucht, wird ebenso Niamhs und Enyas Geheimnis gelüftet, welches für mich ebenso schon einleuchtend war, wie ich schon beschrieben hatte. Ebenso wie die Vermutung, welche ich schon hatte, wer Edans Vater ist, wird hier jetzt ebenso bestätigt.
Und es beginnt ein Kampf, der so alt ist wie die Geschichte und schlussendlich das Gute gewinnt. Enya (zumindest ihr Name) wird weiter getragen von dem Baby und wie in jedem guten Fantasy-Buch hat das Gute gesiegt.

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