[ZeilenSprung] Rubinrot. Liebe geht durch alle Zeiten von Kerstin Gier



Vorwort


Das erste Buch, welches ich Euch vorstelle ist Rubinrot von Kerstin Gier und ist für mich kein unbeschriebenes Blatt, denn ich bin im Rahmen einer Leseprobe für Buchhändler Ende 2008 aufmerksam geworden. Also las ich es. Immer und immer wieder.

Doch, wenn ich heute für Euch das Buch aufschlage springen mir dezent einige Unterschriften ins Auge. Jannis Niewöhner, Kerstin Gier und Maria Ehrich konnte ich auf der Thüringenpremiere in Erfurt am 07.03.2013 treffen. Und dies sind ihre Unterschriften.
Maria Ehrichs Signatur


Jannis Niewöhners & Kerstin Giers Signatur 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ZeilenSprung


Auffallend, schon auf den ersten Seiten, ist die sprachlich Gewandtheit von Kerstin Gier, mit welcher sie die Leser anlockt und es einen nicht mehr los lässt. Dennoch verliert sie nicht das leichte Sein wie man es von der Autorin kennt.

Springen wir einmal zwischen die Zeilen und bedienen wir uns eines Zitates, zu welchem ich Euch kurz meine Gedanken, Gefühle und Regungen schildere.


„Ja. Aber erst mal plünderten wir die Depots der Wächter und decken uns mit Geld ein. Und dann können wir den Zug nach Southampton nehmen. Dort geht am Mittwoch die Titanic auf ihre Jungfernfahrt.“
Sie lachte. „Das ist also deine Vorstellung von schonen! Aber ich bin dabei.“
Er war so glücklich darüber, dass sie wieder lachen konnte, dass er sie gleich noch einmal küsste. „Ich dachte eigentlich . . . Du weißt doch, dass Kapitäne auf hoher See die Berechtigung haben, Ehen zu schließen, nicht wahr, Prinzessin?“
„Du willst mich heiraten? Auf der Titanic? Bist du irre?“
„Das wäre doch sehr romantisch.“


Schon hier wurde ich zum Schmunzeln angeregt. Wer wünscht sich das nicht, einmal mit der Titanic zu fahren? Und dann auch noch dort als frisch verliebtes Paar zu heiraten? Schon hier wuchsen mir die Personen ans Herz, denn allein der Umgang untereinander, die Worte die sie tauschen und die ganze Atmosphäre ließen einen Blick in ihre Gefühlswelt frei, so dass ich schon damals nicht anders konnte als weiter zu lesen.


„Bereit für das nächste Abenteuer, Prinzessin?“
„Bereit, wenn du es bist.“, sagte sie leise.


Ebenso gut gelungen sind die kleinen Intermezzi aus den Chroniken der Wächter. Schnell hat man diese zwar gelesen, aber umso mehr wird durch die gezielte Anordnung das Interesse geweckt, sodass man sich fragt wo das Ganze nun hinführen mag.

Und plötzlich verwandelt sich die Perspektive des Buches. Aus der Personale Erzählsituation wird eine Ich-Erzählsituation mit dem erlebenden Ich. Keinesfalls wirkt sich dieses jedoch auf den Erzählfluss aus und man begibt sich in eine nun (noch) fremde Figur, welche ich aber schnell lieben gelernt habe, da man genau weiß wie sie sich fühlt (oder zumindest die weiblichen Leser sich sehr gut hineinführen können).

Schon auf der ersten Seite des 1. Kapitels werden mehrere Figuren neben der Hauptprotagonistin eingeführt. Diese kann man leicht in Schubladen einordnen, welche man noch aus seiner Schulzeit kennt (oder direkt Vergleiche ziehen kann, wenn man noch dieser noch beiwohnt). So kann man auch verstehen, dass übliche Gesprächsthemen der Teenagerzeit behandelt werden, welche mich Schmunzeln und auch nachdenken ließen. War ich damals genauso? Wie hätte ich mich in dieser Situation verhalten? Oder aber auch: Wäre ich jetzt mit bei ihr im Klassenzimmer, würden meine Freundinnen vielleicht auch auf das Eichhörnchen abfahren, oder doch lieber Gordon, welcher einmal für unsere Hauptfigur im zarten Alter von elf Jahren eine Liebelei gewesen war?

Die nächsten Seiten sind gefüllt mit Witz, Dramatik und einem Familiengeheimnis, bei welchem Gwendolyn hin und wieder fehl am Platz erscheint. Dennoch überzeugt mich der Charme dieser Figur ganz und gar, ebenso wie die anderen Figuren (obgleich sie nun Nebenfiguren waren) voller Tiefe sind. Und Kerstin Gier schafft es in wenigen Sätzen diese Tiefe zu schaffen, ohne sich mit vielen Adjektiven zu befassen. Die Figuren sind einfach nur lebendig. So lebendig wie die Sprache, mit welcher sie beschreibt. Obwohl ich nun den Film kenne, werden durchs Lesen wieder die Räume sichtbar, welche ich während des ersten Lesens assoziiert hatte. Ebenso gelingt es der Autorin, dass man mehr und mehr Informationen aus scheinbar belanglosen Konversationen herausfiltern und es zu einem großen Gesamtbild zusammenfügen kann.

Springen wir einmal zwischen die Zeilen und bedienen wir uns eines Zitates, zu welchem ich Euch kurz meine Gedanken, Gefühle und Regungen schildere.

„Eine Zeitmaschine?“ Betankt mit Blut? Lieber Himmel.
Ich muss gestehen, dass ich immer noch total das Bild vor Augen habe von einem riesigen Kasten, wenn ich dieses Zitat lese. Ein riesiger Kasten, zu welchem man ebenso genauso viel Blut benötigt. Ich weiß ja nun, wie es von statten geht, doch bei diesem Zitat dachte ich tatsächlich diese monströse Maschine benötigt Blut, damit sie überhaupt erst läuft. Ich hatte da etwas mit Voodoo im Sinn - was mir jetzt immer peinlicher vorkommt.

Gut kann man nachvollziehen wie unsere Hauptfigur sich Gedanken macht, während sie zwei Mal unkontrolliert in der Zeit herumspringt. Sie hat von nichts eine Ahnung, denn sie wurde ja nicht darauf vorbereitet. Weder kennt sie besondere Ereignisse noch typografische Begebenheiten, welcher ihr zur Hilfe kommen könnten. Und wer will auch noch solche Probleme haben? Man hat ja als 16-jähriges Mädchen nicht genügend Probleme und diese können mitunter sogar leichter sein als sich den Sitten und Gewohnheiten einer vergangenen Zeitepoche anzupassen und konform zu sein. Dies wird sehr oft deutlich, selbst als sie in ihrer Schule einen unwillkürliche Zeitsprung unternimmt. Nehmen wir bei dieser Gelegenheit wieder ein Zitat heraus und springen zwischen die Zeilen.
Ich wollte hinter den Vorhang abtauchen, aber ich erstarrte mitten in der Bewegung.
Das war nicht möglich!
Das Mädchen hatte mein Gesicht. Ich schaute in meine eigenen erschrockenen Augen.
Diese Stelle finde ich besonders interessant, da hier ihre Zukunft und die Vergangenheit so wie die Gegenwart aufeinander treffen und da diese drei Zeiten sich im eigentlichen auf einer dimensionalen Ebene befinden, ebenso auch eins werden. Auch bekommt man hier einen sehr anreizenden Ausblick geboten und in den nächsten Zeilen küsst sie sogar (also zukünftiges Ich) den äußerst „atemberaubend gut aussehenden“ Mann, um es mal mit Gwendolyns Worten zu beschreiben.

Witzig finde ich, die immer wiederkehrende Anspielung auf Filme, welche jeder kennt und einer Leslie, welche diese Filme unbedingt ausleihen muss, um sie mit ihrer besten Freundin Gwendolyn anzuschauen. Obwohl ich meine, dass Zurück in die Zukunft ihnen nicht unbedingt für das Rätsels Lösung behilflich sein würde können.

In den nun kommenden Seiten wird Schritt für Schritt ein Stück das Mosaiks zusammengefasst, sodass man als Leser nun einen dieser berühmten Aha Effekte hat. Vielleicht mag es was mit dem Stein der Weisen zu tun haben, dass irgendwer Rubinrot mit Harry Potter vergleicht. Aber dann könnten wir ja gleich anfangen und Verblendung von Stieg Larson mit einer Fernsehserie namens Flash Forward vergleichen, weil in beiden ein Tattoo vorkommt.

Hin und wieder (vor allem, wenn man das Buch schon mehrere Male gelesen hat), kommt jedoch der gewollte Zufall hinzu. Aber, wie gesagt, dies fällt einem (und auch mir) erst nach mehrmaligem Lesen auf.

Wie schon erwähnt hat Kerstin Gier nicht den Witz in ihrer Sprache verloren. So sagt Gwenny gerne das was sie denkt und auch der Dialog zwischen ihr, Dr. White, Robert und Mrs. Jenkins fällt äußerst lustig aus, da Robert ja bekanntlich der verstorbene Sohn von Dr. White ist und somit ein äußerst interessantes Gespräch zusammen kommt. Was einige Autoren nicht schaffen, schafft Kerstin Gier hier sehr gut, dass die Sätze wie in einer normalen Konversation ausfallen und eine Aussage die nächste abfängt und ich nicht diese Sprachpausen in meinem Kopf habe in wie so manchen Buch, in welchem platte Konversationen zwischen den Figuren entstanden.

Während des ganzen Lesens mit der Aufgabe das Blut aller Zwölf wieder in den Chronografen einzulesen, fiel mir eine Frage auf, welche ich schon von Anfang an hatte, als ich 2009 das Buch ganz las. Wenn es um den Stein der Weisen geht, welcher bekanntlich viele magische Fähigkeiten besaß, und dieser Unsterblichkeit gibt, wo ist dann das Zeitparadoxon? (Anmerkung: Wer die anderen beiden Bände noch nicht kennt, wird dies nicht ganz verstehen) nun gut, Zeit, Zeitreisen und das Raum-/Zeitkontinum ist ein komplexes Gebilde, welches Kerstin Gier mit Worten für die Teenager die keine Science Fiction kennen gut erklärt, sodass man nicht frustriert das Buch weglegt. (Da ich aber mit SciFi Romanen aufgewachsen bin, ist das Ganze für mich so komplex, dass ich es auch in SciFi Sprache verstanden hätte.)

Nun denn, während mir solche Fragen eben im Kopf herumspuken, bin ich mittlerweile schon weit fortgeschritten. Und begeben wir uns mit einem Sprung zwischen die Zeilen.
„Und du hübsches Mädchen, bist also eine Wortlücke der guten Wortlücke Jeanne d'Urfé. Man sagte nur, du hättest rotes Haar.“
Klar, wer die vorhergehenden Sätze gelesen hat, weiß, dass Gwenny liebevoll Wortlücke für ihren fehlenden französischen Wortschatz einbaute. Aber so ganz aus dem Kontext gerissen, lässt es einen nur noch mehr schmunzeln, nicht wahr? Nun denn, dass ist auf alle Fälle eine Stelle bei welcher man lachen muss, anders geht es nicht, selbst mit dem Zusammenhang von den vorhergehenden Sätzen. Während dann einige Dialoge kommen, sind die Anschauungen von Gwendolyn in der Kutsche kaum mit solchen ausgestattet, was der ganzen Szene jedoch nicht schadet, da sie ja praktischer Weise das denkt, was wir lesen und was keine Konversation ist.

Aber endlich, nachdem unsere weibliche Hauptfigur in Tränen aufgelöst sich in Gideons Arme flüchtet, kommen sich die beiden näher. Es ist gut nachzuvollziehen, weswegen sie sich beide jetzt nicht mehr so angiften in Anbetracht der Tatsache, dass beide gerade nur sehr knapp dem Tod entkommen sind. Nun wird auch eine Ähnlichkeit mit den Figuren aus dem Prolog sichtbar, wobei es sich jedoch nicht um Gideon und Gwendolyn handelt, wie ein geübter Leser wohl schon festgestellt haben muss.

Und nach der ganzen Aufregung geht es mit einem sogenannten Alltag weiter, bei welchem man sehr pikante Dinge über den Grafen erhält, und jeder Leser sich selbst seine Gedanken zusammen reimen kann. Aber es wird wieder Zeit euch eine meiner Lieblingsstellen zu zeigen, also springen wir zwischen die Zeilen und bedienen wir uns folgenden Zitates:
Gordon Gelderman holte uns auf der Treppe ein. „Du hast schon wieder mit der Nische gesprochen, Gwendolyn. Ich hab's genau gesehen.“
„Ja, das ist meine Lieblingsnische, Gordon. Sie ist beleidigt wenn ich nicht mit ihr spreche.“


Wie wahr, wie wahr! Wenn Gordon nur wüsste, dass James wirklich auf das äußerste beleidigt ist, wenn sie ihn ignoriert! Diese Stelle finde ich ziemlich gelungener Sarkasmus, welcher dann in die Doppeldeutigkeit der deutschen Sprache wechselt. Und nur so am Rande, ich bin froh, dass meine Namensvetterin im Buch erscheint, auch wenn sie Cyns Freundin ist. Man merkt wie es sich langsam wieder zuspitzt, dass die Pläne sich verändert haben und man kann deutlich spüren, dass noch etwas passieren muss, außer dem Kreischorchester und Ohnmachtsanfällen von der Treppe.

Was mich gerade ein bisschen verwirrt hat, war, dass Uma Thurman im Zusammenhang mit Mit Schirm, Charme und Melone genannt wurde und ich an die alte Schwarz-Weiß Fernsehserie denken musste, anstelle an den Film. Da mir zu Uma einfach nur Kill Bill und Pulp Fiction eingefallen ist . . . Und seltsamer Weise ihre Synchronstimme in beiden Filmen - okay, kann gut sein, dass ich übermüdet bin (es ist 05:20 Uhr).

Aber nichts desto trotz machen wir weiter im Text und nun wird die Ähnlichkeit der Charaktere immer intensiver. Und es spitzt sich so weit zu, dass man auf die Charaktere stößt, welche wohl jeder Leser sehnlichst erhofft hatte. Vielleicht werden hier einige Gedanken ziemlich verdichtet von einige – ab hier war es nun für mich so ziemlich klar, aber das mindert keineswegs den Lesefluss. In der Kirche, hinter dem Vorhang des Beichtstuhles merkt man deutlich dass da noch etwa zwischen ihnen kommen muss und tatsächlich schaffen sie es auch sich zu küssen.

Der Epilog bietet nun wieder die Personale Erzählsituation und ab hier sind nun alle Zweifel verschwunden, welche man vielleicht noch gehegt hatte – so wie sie reden lässt es einfach keinen anderen Schluss zu.

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