[#girlonthetrain] Leseabschnitt 2: Seite 94 - 187



Und wieder kommt ein Leseabschnitt, der mich über Nacht nicht schlafen lassen hat. Warum? Zu viele Fragen, die man sich vor allem im Rahmen einer solchen Leserunde stellt, gingen mir durch den Kopf.
Diese Art des Lesens macht wirklich Spaß, auch wenn sie wirklich Zeitaufwendiger ist ;)


Rachel



Seite 94 bis 136

Dienstag, 16. Juli 2013 bis Donnerstag, 18. Juli 2013
Morgen und Abend wechseln sich wie Protokolle ab. Der Zug von innen lässt sie auf Gedanken kommen, lässt sie nachdenken und in sich kehren, lässt sie nicht nur das Mädchen aus dem Zug sein, sondern eine wichtige Zeugin.

Rachel ist nicht in der Verfassung für andere Dinge, als Megans Verschwinden. Jeder Tag, jede Zugfahrt, jede Sekunde verplant sie mit Gedanken an sie. Rennt somit einem anderen Leben hinterher, ohne ihr eigenes zu leben. Dennoch bleibt die Zukunft nie weiter weg, als ihre Vergangenheit, vor der sie sich fürchtet. Angst hat gesehen zu werden und nicht mehr hier hin zu gehören, zwischen all die verdammt glücklichen Pärchen.
Wieder verdichten sich Ahnungen im Kopf und doch glaubt man, fast schon mit Absicht auf diese Spur gelenkt zu werden. Man soll glauben, dass sie es ist, dass da mehr ist, was sie vor sich selbst verheimlicht. Doch obwohl oder gerade deswegen wende ich mich von dem offensichtlichen ab. Es wäre zu einfach, nicht den positiven Stimmen gerecht, die ich bisher darüber gehört habe.
Dennoch zielen ihre Zweifel darauf ab, dass man genau darüber nachdenkt, zu sehr zu viel, zu genau mit vielen Beispielen. Dennoch scheint es auch genau Rachels Angst zu sein, selbst wenn sie es genauso für unwahrscheinlich hält, dass sie Megan etwas angetan hat. Schon alleine deswegen, weil sie weiß, dass Megan eine Art Tom ist. Aber dennoch, warum sollte sie? Weswegen sollte sie eine unbekannte Frau ermorden oder entführen? Aus reiner Affekthandlung, weil sie Scott den Kummer ersparen wollte? Weil sie sich rächen wollte für ihren eigenen Schmerz?
Ein scheinbares Rätsel löst sich auf, während es nicht gerade allzu schwer war, dennoch werfen sich mi die Fragen auf, ob sie nicht nur unter Blackouts, sondern auch über Wahnvorstellungen leidet, die einher gehen mit ihrer Sucht.
Selbst, wenn es mir sich nicht als Trauma darstellt, dass sie ihren innigen Kinderwunsch mit Tom nie wahr werden lassen konnte, wäre dies ein fabelhafter Grund, weswegen sie auch das Kind hätte „klauen“ wollen. Denn das deprimierende daran war für sie, laut den Schilderungen, dass ihre Kinderlosigkeit zum Gesprächsthema wurde. Was wohl nur die anderen Leute von mir denken? Was sie wohl sagen? Dass sie sich immer deswegen Gedanken macht ist mir schon äußerst suspekt. Schon die Tatsache allein, damit andere nur das Beste von ihr denken, dass ist eine Tatsache, die mir sie mir unsympathisch werden lässt.
Während Rachel so erzählt, wird ein Verdacht in mir wach. Ein kleiner Teil, der nach mir ruft, der meint, dass Anna vielleicht etwas mit dem Verschwinden zu tun haben könnte. Sie will ein perfektes Leben, wenn Tom derjenige ist, mit dem Megan die Affäre hat (wie ja immer leicht unterschwellig angedeutet oder auch verdeutet wurde) und sie davon weiß, weil Megan ja nun ihr Babysitter gewesen ist, dann hätte sie zumindest einen Grund. Sie dürfte Tom kennen, wenn es sich so entwickelt, denn er hat ja schon einmal eine Frau wegen einer anderen verlassen.
Thesen zu verwerfen oder aufzunehmen, das kann man bei dem Buch. Ob Rachel eine ethnische Zugehörigkeit hätte vom Zug aus sehen können? Rachel ist eine gute Beobachterin, vor allem, weil sie sich somit Gedanken macht, was andere über sie denken, von ihrem eigenen Leben flieht. Durchaus könnte sie also eine solche Auskunft geben. Aber dann auch wieder nicht, weil sie vom Alkohol benebelt gewesen sein könnte, welcher ihr buchstäblich die Sicht nahm. Dann stellt sich noch die Frage, warum der Punkt mit Megan 2012 gemacht wurde. Was hatte sie gesehen. Wen hatte sie gesehen? Hat es etwas damit zu tun, sodass man als Leser nun auf mehrere Fährten gelenkt wird?
So viel wie der Leser denkt, wird auch Rachel in ihren Gedanken festgehalten. Auch sie wirft Thesen ein, verfestigt sie, nimmt weitere Indizien auf und lässt andere fallen, was leider zur Folge hat, dass sie unaufmerksamer wird.



Megan



Seite 137 bis 140

Donnerstag, 07. März 2013 bis 08. März 2013
Morgen und Abend wechseln sich wie Protokolle ab. Der Zug von außen eine pure Verlockung der Flucht.

Wieder ist er da. Sie bei ihm. Im Swan, welches sie für schäbig hält. Sie planen, sie lieben sich, sie wollen zusammen verschwinden. Zusammen ausreißen aus den Familien, von denen sie sich entfernt haben. Wieder verdichtet sich ein kleiner Gedanke. Sind die Parallelen so gewählt, dass man unwillkürlich nur an einen denken kann? Oder ist er es wirklich? Falsch oder wahr? Zwischen beiden, wie zwischen Ehrlichkeit und Lügen. Denn eigenartig ist, dass sie ihn nie beim Namen nennt und es somit eine Menge Auswahl gäbe. Skurril bisweilen, vom Therapeuten, bis hin zu einer noch nicht aufgetauchten Person oder einer die nur so winzig erschien, dass man sie bisher nicht wahrnahm. Oder hat sie nicht mehrere Affären nebeneinander?
Und schon streuen sie wieder die Thesen, doch ein Selbstmord würde deutlich gegen das auf Seite 7 und 9 sprechen.




Rachel



Seite 141 bis 157

Freitag, 19. Juli 2013 bis Samstag, 20. Juli 2013
Morgen und Abend wechseln sich wie Protokolle ab. Der Zug von innen reinigt ihren Körper, lässt die Sucht weniger werden.

Eine Aufgabe zu haben, dass scheint ihr besser zu stehen, als sich auf ewig in ihrem Mitleid zu suhlen, sich von anderen und ihren Gedanken über sich abhängig zu machen.  Leider, so wie sie es auch selbst einsieht, lässt die Katze das mausen nicht und wieder wird sie rückfällig. Was in Euphorie begann, endet im Chaos, lässt sie wieder einmal alles rekonstruieren müssen. Interessanterweise benutzt sie scheinbar für ihre Mutter ihren Yahoo-Account und für alle anderen die Gmail.
Und wieder einmal werden (wie oft benutze ich diese Formulierung schon?) die Indizien gelüftet, weiter ausgelegt oder verworfen. Und jetzt bin ich mehr als alles andere verwirrt. Die Parallelen, die Megan in ihrem Bericht vom Mittwoch, 16. Mai 2012 schildert, passen eindeutig auf dies, was Rachel mit dem Kind von Anna und Tom angestellt hat. Dennoch, die Zeitangaben, es sind die, die mich verwirren. Sie eröffnen nämlich eine These, über die ich nicht nachdenken kann. Verwirrung. In Großbuchstaben. Bisher haben wir nur bei Megan diese Zeitsprünge gemacht und auch nur zwei Mal. Das sind auch die beiden, die sehr herausstechen, mich grübeln lassen. Anderes Datum mit einer sehr übereinstimmenden Tat. Ich bin verwirrt. Was ist Einbildung, was nicht? Läuft es darauf hinaus, dass Rachel gänzlich abgedreht ist?



Anna



Seite 158 bis 162

Samstag, 20. Juli 2013 bis Samstag, 20. Juli 2013
Morgen und Abend wechseln sich wie Protokolle ab. Der Zug von außen, ist so unbeliebt wie die Hausnummer in der sie mit Tom zusammen wohnt.

Sie ist das, was man die perfekte Hausfrau und Mutter nennt. Sie sorgt sich um Mann, Kind und den Haushalt. Kocht, putzt und wechselt bestimmt alleine die Windeln für ihre ach so bezaubernde Tochter, wenn diese zu früh auf sich aufmerksam macht. Nur eines zermürbt die Idylle, in der sie leben will: Rachel.



Rachel



Seite 163 bis 187

Sonntag, 21. Juli 2013 bis Montag, 22. Juli 2013
Morgen und Abend wechseln sich wie Protokolle ab. Der Zug von innen wird immer mehr zum Fortbewegungsmittel, nicht mehr zum Lebensinhalt.

Sie war da, keine Frage. Doch gewiss nicht, um Megan etwas anzutun. Gewiss nicht. Jetzt herauszufinden, weswegen sie da gewesen ist, dass ist das wirklich interessante, und weswegen ihr Kopf diese Erinnerung versperrt. Nur wegen dem Alkohol? Oder wegen einer traumatischen Erfahrung, da sie weiß wer der Mörder oder Entführer ist? Es gesehen hat und dann floh? Und ob ihre sich selbst gegebene Erklärung, dass der Grundriss ja ihrem alten Haus so ähnlich wäre und Terrasse und Garten sie so oft vom Zug aus gesehen hat? Wie schon gesagt, sie kann gut beobachten, doch hat sie auch ein so gutes Raumvorstellungsvermögen, dass die Perspektive der Einfallswinkel der Sonnen so genau ist?
Und jetzt kommt der von Seite 7 (vermutlich) bekannte Steinhaufen, der zu einem Steingarten gehört. Wieder wird ein Element aufgegriffen, dass einem aus der Bahn wirft, vieles kann es sein. Vieles aber auch nicht. Wie viele Steinhaufen dürfte es an solch einer Strecke wohl geben?
Und manchmal, da stolpert man über sie, über die kleinen Dinge. Die einen als Leser etwas Freude geben, wenn man sich bewusst ist, dass eine seiner Theorien schon in die richtige Richtung führt.
Jetzt kommt mir langsam in den Sinn, dass Megan gar nicht besagte Frau auf Seite 7 sein könnte. Dass diese Dinge, die dort nacheinander geschrieben stehen sogar gar nicht dieselbe Person sein müssen. Doch wer ist es, der dort begraben ist? Wer ist Sie? Und wer kennt noch diesen Spruch, den mit den Zahlen?

Und schließlich wirft sie und auch mich die Festnahme von Scott aus der Bahn. Der offensichtliche Ehemann soll es getan haben? Aus welchen Grund? Weil er wusste, dass er sie verlässt? Wäre das zu realistisch, weil solche Taten ständig geschehen? Ich persönlich glaube nicht daran, dass es der Ehemann war. Das wäre zu normal, zu einfach, denn man verdächtigt immer ihn zuerst. Zwar sind manchmal die Offensichtlichen Sachen genau die richtigen, aber hier würde es einfach nicht passen.

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