[Rezension] Rabensommer von Elisabeth Steinkellner

Rabensommer bei Beltz & Gelberg

PRODUKTDETAILS:

Titel: Rabensommer
Reihe: -
Autor: Elisabeth Steinkellner
Genre: Coming-of-Age im Jugendbuchbereich
Herausgeber: Beltz & Gelberg
Erscheinungstermin: August 2015
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-407-82100-1
Format: Klappbroschur
Seitenzahl: Seiten

PRODUKTINFORMATIONEN:

Kurzbeschreibung:
Seit Jahren sind sie beste Freunde, fast alles haben sie zusammen gemacht - wie Raben. Jetzt, nach dem Abitur, muss jeder für sich entscheiden, wie es weitergeht. Die Ich-Erzählerin Juli entschließt sich zu studieren, doch noch bevor es losgeht, verändert sich alles, Schlag auf Schlag: Niels, mit dem sie seit einem Jahr zusammen ist, macht mit ihr Schluss. August lüftet sein Geheimnis. Und Ronja geht nach London. Juli ist auf sich allein gestellt und muss ihr Leben, das ihr wie ein Haufen lauter kleine Schnipsel vorkommt, neu sortieren.

Der Verlag über das Buch
Ein furioses literarisches Debüt! »Rabensommer« erzählt vom Abschied von der Kindheit und dem letzten, flirrenden Sommer, den Juli, Ronja, Niels und August miteinander verbringen, bevor sie sich in alle Winde zerstreuen. Ein wundervoller poetischer Roman einer ganz außergewöhnlichen Erzählerin.

DIE BEWERTUNG

Meinung:
Zwischen Alltag und Poesie trifft sich dieses Buch und bringt dem Leser Julis Hilflosigkeit im Leben nahe.

Das Cover/Die Gestaltung:
Himmelblau ist er. Raben am linken Rand und in gelber Schrift, verschnörkelt, steht der Titel dieses Buches. Es wirkt schlicht und zieht dennoch an. Es ist anders, es lässt tief blicken. Bei den drei Raben oben und dem einen, alleinstehendem Raben unter dem Titel. So wird der Leser schnell auf dieses Buch zugehen, da es sich deutlich von den anderen Coming-of-Age Büchern unterscheidet und nicht überlädt.
2,0/2,0 Punkten

Die Sprache/Der Satzbau:
Elisabeth Steinkellner beeindruckt mit der Poesie, welche man zwischen den Seiten der jugendlichen Sprache findet. So verbergen sich fantastische Bilder in den Buchstaben, die sich zu einem lebendigen Bild im Kopf des Lesers zusammenfügt.
So bildet die Autorin realistisch das (Un)Wissen der Hauptprotagonistin ab und lässt den Leser an Julis Erfahrungen teilhaben.
Ein besonderer stilistischer Bruch, ein Bruch, der sich auch mit der Handlung vollzieht, lassen die Kapitel kürzer und kleiner erscheinen. Die Worte setzten sich in (Einkaufs)Listen, in Songtexten, in Nachrichten und Gesprächen zusammen. Lassen den Leser zum einen fragend und irritiert wie auch zustimmend zurück. Stellen ihn vor die Frage, lassen ihn nachdenken und sich zurückversetzt in die eigene Jugend, die eigene Unwissenheit, fühlen.
2,0/2,0 Punkten

Die Figurentiefe/Die Figurenentwicklung:
Juli, die Hauptprotagonistin, ist bisweilen eine Figur mit schwierigen charakteristischen Zügen. Ihre Planlosigkeit, die sich in ihren Listen nicht wiederfindet, lässt einen gelegentlich die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Ihr stehen alle Türen offen und dennoch, dennoch geht sie an ihr weiteres Leben heran, als würde sich nichts verändern, als wäre sie nicht bereit Erwachsen werden zu wollen.
Ihre Freunde, die wie Raben beschrieben wurden, wie ein Schwarm, der immer um sie herum schwirrte, bleiben auf ihre Weise im Hintergrund. Und erzählen dennoch von dem Leben, von ihren Entwicklungen und der Kluft, die sich zwischen ihnen als Freunde auftut. So gewinnt man als Leser einen Einblick, stellt Fragen, bekommt Antworten und lässt das eine oder andere Mal auch gedankliche Spiele zu, wo man der Figur die eigene Meinung geigen will.
Durch diese Kombination, zwischen schwierigen Charakterzügen und Allgemeinplätzen, bedient sich die Autorin an gewissen Klischees; besonders bei ihrer Hauptfigur. Überspitzte Planlosigkeit, die Art sich fallen zu lassen nach einem Verlust und die Naivität zeigen einen Teil der Persönlichkeit und lassen dennoch den anderen, den tieferen Kern von Juli bisweilen außen vor.
1,5/2,0 Punkten

Der Plot/Der Geschichtsverlauf:
Vor dem Bruch, besitzt das Buch einen erzählenden Stil. Beschreibt die Ankunft in einem neuen Lebensabschnitt. Zeigt viele neue Wege und Verantwortungen auf. Lässt den Leser teilhaben an allen Entwicklungen, auch wenn diese vor allem durch Julis Sicht und durch ihre Gleichgültigkeit gezeichnet sind. So wird der Leser mit den neuen oder altbekannten Situationen konfrontiert, die entweder hinter oder noch vor einem liegen. Auf alle Fälle bleibt nichts dem Kopfkino des Lesers verborgen.
Wie auch in der Sprache und im Figurenleben, wendet der Plot sich nach dem Bruch. So werden die Kapitel zwar kürzer, aber zeigen auch mehr Dinge auf. Lassen einen gewollt an Julis Innenleben teilhaben. So wirr wie einige Zeitsprünge sind, so wirr und verdrehter wird auch Julis Weg, ihre Sicht; und der Verlauf der Story nimmt wenig an Fahrt auf. Er hält inne, lässt einen aufhorchen, nachdenken und auch manchmal weglaufen. Juli muss kämpfen, um sich zu finden und der Leser ist nicht nur dabei, sondern mittendrin.
2,0/2,0 Punkten

Der Aufbau/Die Nachvollziehbarkeit:
Mit den Figuren, die alle ihre Probleme haben und anders mit diesem neuen Lebensabschnitt umgehen, wird vor allem durch die Zerrissenheit von Julis Gefühlen ein Bild geschaffen, welches manchmal ziemlich weit hergeholt zu sein scheint. Und dennoch, obwohl Juli mit ihrer eigenen Stimme den Leser die Haare raufen lässt, beginnt man zu verstehen, zu fühlen, nachzuempfinden, wodurch sich das Ganze zusammenfindet.
Der Buch ist anders. Nicht nur durch die Sprache, sondern auch durch den Bruch. Durch Verluste, durch Angst und Neubeginne. Neues ist immer erschreckend. Jeder geht anders damit um. Und Elisabeth Steinkellner hat sich entschieden dieses Buch bewusst anders einzuteilen.
Während im ersten Teil alles linear erzählt wird, bricht der Aufbau im zweiten Teil auseinander. Zeigt Dinge in kleinen Worten. Manchmal wie Werbeslogans, die einem im Kopf bleiben, ein Bild erschaffen und sich einnisten. So werden Einkaufslisten zu Symbolen des (Auf)Lebens. Sie zeigen Depressionen, zeigen Entwicklungen und Neubeginne. Und genau diese Listen sind es, die einen auch zeigen, dass es weiter gehen kann, wenn der erste Zettel nach dem Bruch nur vier Dinge beschreibt und auf dem zweiten schon zehn stehen. Darunter auch Kondome, die Juli neuen Mut geben. Der letzte Einkaufzettel mit ganzen 19 Dingen beschreibt ebenso eine Veränderung, die Flugtickets, welche schon so lange in der Schwebe liegen, aber auch das Ernährungsbewusstsein, weil sie sich nicht mehr gehen so zu lassen.
2,0/2,0 Punkten

Fazit:
Mit 9,5 von 10,0 Punkten vergebe ich all denjenigen die Leseempfehlung, die sich entweder gerne wieder zurück in die Zeit ihrer Selbstfindung begeben wollen oder sich gerade in dieser befinden. Auf alle Fälle schafft es Elisabeth Steinkellner mit ihrer Sprache den Leser zu begeistern.
Mit dem Bruch zu irritieren und dennoch mit Poesie zum Träumen anzuregen. Deutlich werden all die Dinge beschrieben, die ein Heranwachsender kennt, wobei einige Sachen mit ihrer Überspitzung in Klischees abrutschen. Dennoch wird das Lesen dieser Lektüre zu einem Erlebnis, welches einem zum Nachdenken und Mitdenken anregt. Einem entweder zurückversetzt oder über die momentane Situation nachdenken lässt.
Egal was es ist, ja, die Jury hat Recht, der Leser taumelt zusammen mit der Hauptprotagonistin durch die literarische Sprache und das Leben.
An dieser Stelle bedanke ich mich bei dem Verlag Beltz & Gelberg und Blogg dein Buch für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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