[Rezension] Damit du dich im Viertel nicht verirrst von Patrick Modiano

Damit du dich im Viertel nicht verirrst bei Hanser

PRODUKTDETAILS:

Titel: Damit du dich im Viertel nicht verirrst
Reihe: -
Autor: Patrick Modiano
Genre: Belletristik
Herausgeber: Hanser
Erscheinungstermin: 27. Juli 2015
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-446-24908-0
Format: Hardcover
Seitenzahl: 160 Seiten

PRODUKTINFORMATIONEN:

Kurzbeschreibung:
Jean Daragane lebt zurückgezogen in seiner Pariser Wohnung, als ein Fremder ihn wegen seines verlorenen Adressbuchs kontaktiert. Vergessene Namen und lang vergangene Erlebnisse drängen zurück in das Bewusstsein des Schriftstellers. Besonders stark ist die Erinnerung an Annie Astrand. Bei ihr hatte Jean in seiner Kindheit ein Zuhause gefunden, als seine Eltern sich seiner wieder einmal entledigen wollten. Doch dann war Annie mit ihm nach Montmartre gezogen, um eine Flucht nach Italien zu planen, die alles veränderte. Der Nobelpreisträger Patrick Modiano erzählt von einem traumatischen Erlebnis Ende der 50er Jahre, das bis in die Gegenwart des heutigen Paris nachwirkt.

Der Verlag über das Buch
Ein Kind, das in einer einzigen Nacht alles verliert. Und ein Mann, den das lang Vergessene wieder heimsucht. Patrick Modiano, Nobelpreisträger für Literatur, erzählt eine traumatische Geschichte.


DIE BEWERTUNG

Meinung:
Modianos neuer Roman ist brillant: vielschichtig und dennoch grandios einfach. Ein Roman als Erinnerungssuche, eine Erzählung wie ein Puzzle und eine Geschichte so fesselnd, mysteriös und verschlungen wie das Leben selbst.

Das Cover/Die Gestaltung:
Ein tiefrotes Cover mit weißer versetzt angeordneter Schrift zieht den Blick sofort auf das Buch. Aber erst im zweiten Moment sieht der Leser, um was es sich handelt: Eine rot eingefärbte Rasenfläche, auf der sich links oberhalb ein kleiner ebenfalls rot eingefärbter Junge befindet. Diese Figur verbindet den Autorennamen und den Buchtitel. Eine einfache, elegante Lösung, wenn man bedenkt, dass das Buch autobiografische Züge enthält.
2,0/2,0 Punkten

Die Sprache/Der Satzbau:
Klar und einfach bestechen Modianos Sätze den Leser, gekonnte inszenierte Einfachheit führt den Leser durch das Labyrinth der Vergangenheit. Immer wieder tauchen neben den klaren, einfachen Sätzen auch fragmentarische poetische, rhythmische und beschreibende Passagen auf, die einen ungewöhnlichen, Modiano-typischen Ton tragen. Alles, was wir lesen, fasziniert, denn trotz seiner schlichten Klarheit erzeugen die Sätze, Wortgruppen und Buchstaben einen unwiderstehlichen Sog, der den Leser tiefer und tiefer in die Vergangenheit zieht.
2,0/2,0 Punkten

Die Figurentiefe/Die Figurenentwicklung:
Alle Figuren changieren zwischen verschiedenen Ebenen, sind nicht ganz zu durchschauen, es ist nicht ganz so einfach, sich in sie hineinzuversetzen. Ganz so wie im wirklichen Leben.
Angefangen bei dem Schriftsteller Jean, der ausgehend von einem Telefonanruf, sich inmitten seiner eigenen Geschichte wiederfindet. Immer wieder wird der Leser mit neuen Erinnerungen, Tatsachen und Geschehnissen konfrontiert, welche die Hauptfigur in ein anderes Licht taucht.
Auch die Nebenfiguren, sei es Gilles Ottolini und Chantal Grippay aus der Gegenwart oder Annie Astrand und Roger Vincent aus der Vergangenheit, sind keineswegs eindimensional. Sie sind es, die der Geschichte Stabilität und Lebendigkeit geben. Die Nebenfiguren sind die Kapitelüberschriften in Daragnes Leben und entschlüsseln die mysteriöse Vergangenheit des Protagonisten.
Alle Figuren entwickeln sich mit ihren getroffenen Entscheidungen und harren in ihrem Leben aus; Entscheidungen trifft man, rückgängig kann man sie nicht machen, man lebt mit ihnen. Und auch Jean Daragne muss mit den Erinnerungen an getroffenen Entscheidungen anderer und seiner selbst leben.
Und die Erinnerung bricht auf, als er jene Straßenzüge wiederfindet, in denen er mit Annie oft gewesen war.
2,0/2,0 Punkten

Der Plot/Der Geschichtsverlauf:
Ein Anruf verändert alles, als Jean Daragne mit seinem Leben schon längst abgeschlossen hat. Ein Anruf und eine Frage. Eine Frage nach Daragnes Adressbüchlein. Die eigene, verdrängte Vergangenheit holt den alternden Schriftsteller ein. Das ist der Ausgangspunkt für die mysteriöse Geschichte von Modiano. Gekonnt inszeniert der Autor eine Geschichte aus Versatzstücken eigener und fremder Erinnerung, die den Leser hinein ins Paris der Gegenwart und Vergangenheit führt. Was hat ein Mordfall mit der Kindheit des Protagonisten Jean Daragne zu tun? Warum erinnert sich Jean nicht mehr an diesen Teil seiner Vergangenheit? Immer wieder wird der Schriftsteller damit konfrontiert und es beginnt sich ein jahrzehntealter Schleier zu lüften.
2,0/2,0 Punkten

Der Aufbau/Die Nachvollziehbarkeit:
Der Aufbau der Geschichte ist gut gelungen, immer wieder wird der Leser mit neuen Erinnerungsfetzen und –lücken konfrontiert. Obgleich der Roman relativ kurz ist und mehr einer Erzählung gleicht, entfaltet der Text mit seinen verschränkten Räumen aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft eine faszinierende Wirkung, die einen als Leser nicht mehr loslässt.
2,0/2,0 Punkten

Fazit:
Mit 10,0 von 10,0 Punkten vergebe ich all denjenigen die Leseempfehlung, die sich für besondere Schicksale, Lebensgeschichten und für das wichtigste aller menschlichen Themen , die eigene Identität, interessieren. Modiano beherrscht einen leichten, doch fragmentarischen Erzählton, welcher nicht so sehr der klassischen Erzählweise verpflichtet ist, sondern sich viel mehr mit dem menschlichen Gedächtnis vergleichen lässt. 

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