[Rezension] Konzert ohne Dichter von Klaus Modick

Konzert ohne Dichter bei Kiepenheuer&Witsch


PRODUKTDETAILS:

Titel: Konzert ohne Dichter
Reihe: -
Autor: Klaus Modick
Genre: Künstlerroman, (Historischer) Roman im Belletristik-Bereich
Herausgeber: Kiepenheuer&Witsch
Erscheinungstermin: 09. Februar 2015
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-462-04741-7
Format: Hardcover
Seitenzahl: 240 Seiten

PRODUKTINFORMATIONEN:

Kurzbeschreibung:
Heinrich Vogeler ist auf der Höhe seines Erfolgs. Im Juni 1905 wird ihm die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen – für sein Gesamtwerk, besonders aber für das nach fünfjähriger Arbeit fertiggestellte Bild »Das Konzert oder Sommerabend auf dem Barkenhoff«. Während es in der Öffentlichkeit als Meisterwerk gefeiert wird, ist es für Vogeler das Resultat eines dreifachen Scheiterns: In seiner Ehe kriselt es, sein künstlerisches Selbstbewusstsein wankt, und eine fragile Freundschaft zerbricht. Rainer Maria Rilke, der literarische Stern am Himmel der Worpsweder Künstlerkolonie, und sein Seelenverwandter« Vogeler haben sich entfremdet – und das Bild bringt das zum Ausdruck: Rilkes Platz zwischen den Frauen, die er liebt, bleibt demonstrativ leer. Was die beiden zueinanderführte und später trennte, welchen Anteil die Frauen daran hatten, die Kunst, das Geld und die Politik, davon erzählt Klaus Modick auf kunstvolle Weise: Auf der Reise zur Preisverleihung erinnert Vogeler sich an die Gründung der Künstlerkolonie, die Magie der ersten Begegnung mit Rilke in Florenz, die Euphorie des gemeinsamen Aufbruchs – und an Paula Modersohn-Becker und Clara Rilke-Westhoff, die Frauen, denen Rilke in einer skandalösen Dreiecksbeziehung verbunden war. Ein großartiger Künstlerroman, einfühlsam, kenntnisreich, atmosphärisch und klug.

Der Verlag über das Buch
Die Chronique scandaleuse Worpswedes: Rilke und Vogeler, ihr Werk und die Frauen – und ein epochales Gemälde

DIE BEWERTUNG

Meinung:
Ein lesenswertes Buch, welches zeigt, das für Künstler der goldene Käfig zu einem gefährlichen Gefängnis werden kann. Wie kann ein Künstler daraus ausbrechen, wenn er doch die eigene Lebens- und Künstlergrundlage ist?

Das Cover/Die Gestaltung:
Die ornamentale Blumengestaltung in Grün und Gold stimmt wunderbar auf das Buch und die Geschichte von Heinrich Vogeler ein. Die Abstraktion, welches das Ornament erreicht, bietet dem Leser gleichermaßen Orientierung und Raum für die eigene Vorstellung.
2,0/2,0 Punkten

Die Sprache/Der Satzbau:
Gekonnt fühlt sich Modick mit seinem melodiösem Rhythmus in die Sprache des Künstlers Vogeler und aller anderen Protagonisten ein. Die Worpsweder Künstlergemeinschaft um Fritz Overbeck, Fritz Mackensen und Otto Modersohn wird treffend beschrieben, ebenso die schwülstige-symbolistische Sprache des Dichters Rilke. Modick lässt Vogeler die Künstlergemeinschaft erleben, die für ihn zu Beginn eine Befreiung ist, zum Ende – durch seinen künstlerischen Erfolg im Jugendstil – eine Gefangenschaft. Der Leser erlebt durch die treffenden Worte Modicks Vogelers Schwärmerei, seinen Zwiespalt und letztlich seine Wandlung.
2,0/2,0 Punkten

Die Figurentiefe/Die Figurenentwicklung:
Die Geschichte zum Zeitpunkt 1905 wird durch Vogeler erlebt und erzählt. Sie wird zum Wendepunkt in seinem Leben werden. Mit all den eigenen Unsicherheiten, Verwirrungen, Vorstellungen und Zweifeln, aber auch den fremden Bestätigungen.
So ist der Künstler hin- und hergerissen zwischen seinem alten, (in vielerlei Hinsicht) überreichen  Leben und einer Wendung, einem neuen, einfachen Leben, welches er sich wünscht. Lebendig zeigt Modick einen zweifelnden, sich verändernden Vogeler, der die Geschichte vorantreibt, aber auch immer mal wieder in retrospektive Betrachtungen versinkt.
Auch die Nebenfiguren sind lebendig gezeichnet, erreichen ihren eigenen wichtigen Personenstatus und sind wesentlich für die Entwicklung der Geschichte. Insbesondere die Figur des Mäzens Roselius ist durch dessen schwärmerische, fordernde und überschwängliche Art ein Reibungspunkt für die Figur Heinrich Vogelers.
Problematisch ist an einigen Stellen die Einschätzung Vogelers zu Künstlerinnen, Frauen und dem Feminismus. In einer Zeit, die Frauen als Künstlerinnen und eigenständige, kreative Personen eher skeptisch betrachtet, wird Vogeler als Verfechter des Feminismus angebracht. Doch diese Einstellung wird er selber nicht vertreten haben können. Immer wieder bringt Modick zu moderne, zu zeitgenössische Redewendungen, die für Vogeler hinsichtlich Frauenemanzipation nicht denkbar gewesen sind.
1,5/2,0 Punkten

Der Plot/Der Geschichtsverlauf:
Es ist eine Innenschau, die sich bewusst mit Vogeler beschäftigt. Viel Raum wird der Hauptfigur und seinen Gedanken gelassen, sodass eigentlich nicht viel geschieht. Der Leser erfährt zu Beginn (7. Juni), dass Vogeler sein Bild das Konzert auf einer Kunstausstellung (9. Juni) präsentieren wird. Dazwischen gibt es viele Abschweifungen der Hauptfigur in vergangene Zeiten, Erinnerungen und Andeutungen.
Es ist dem Thema geschuldet, dass in der Geschichte nicht viel geschehen kann. Dennoch wäre es an einigen Stellen schön gewesen zu erfahren, was mit anderen Figuren passiert, wie sich etwas außerhalb von Vogelers Kosmos der Worpsweder Künstlerkolonie entwickelt.
1,5/2,0 Punkten

Der Aufbau/Die Nachvollziehbarkeit:
Das Jahr 1905 wird für Modick zum Angelpunkt der Geschichte. Es ist jene Zeit, die dem Maler Vogeler seine Welt zeigt. Eine Welt, in der er unzufrieden ist und in die er nicht mehr passt. Innerhalb von drei Tagen (durch Rückblenden erscheint es dem Leser sehr wohl wesentlich länger) verändert sich Vogelers Sicht. Lange schwelte schon in ihm ein Konflikt und dieser bricht in seinem Bild das Konzert hervor. Die Präsentation dieses Bildes auf einer Schau wird für Vogeler der Beginn einer neuen Reise.
2,0/2,0 Punkten

Fazit:
Mit 9,0 von 10,0 Punkten vergebe ich all denjenigen die Leseempfehlung, die gerne Künstlerromane, historische Romane und Geschichten über Wendepunkte in einem Leben lesen. Konzert ohne Dichter vereint gekonnt und feinsinnig das Innenleben eines Künstlers mit den Hindernissen seiner Zeit. Die Frage im Roman ist nicht, ob sich Vogeler verändern wird, sondern wann und wie wird er sich verändern. 

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