[Welttag des Buches] Blogger schenken Lesefreude ~ Interview mit Corinna Antelmann über ‚Saskias Gespenster‘


Auf der Leipziger Buchmesse dieses Jahr durfte ich der sympathischen Corinna Antelmann ein paar Fragen über ihr Buch ‚Saskias Gespenster‘ stellen.
Denn ihre Verlegerin Monika Fuchs schrieb mich im Rahmen der Blogger schenken Lesefreude an und fragte, ob denn ein Buch aus ihrerem Programm mein Interesse wecken würde. Schnell schaute ich also nach auf der Verlagshomepage und entdeckte schnell das Kinderbuch ‚Saskias Gespenster‘ für mich.


Und so kam es, dass ich auf der Buchmesse nicht nur das Buch abholen konnte, sondern direkt auch im Rahmen der Blogger schenken Lesefreude-Aktion ein Interview mit der Autorin bekam.
Denn ich wollte nicht nur ein Gewinnspielmarathon daraus machen, wie die Jahre davor, sondern ein bisschen mehr...
Und so kam mir die Idee einen Einblick zu geben. Euch die Bücher vorzustellen, welche ich verlose.
Deswegen werdet ihr nicht nur dieses Buch zwei Tage lang vorgestellt bekommen, sondern auch noch zwei andere Bücher, welche ich in zum Welltag des Buches verlosen werde. Nur, dass es bei mir kein Welttag des Buches gibt, sondern eine Weltwoche des Buches!
Also seit gespannt, was noch auf euch zukommen wird!

Saskias Gespenster bei Verlag Monika Fuchs

Saskia hasst das Leben. Und sie hasst das Heim, in das sie nach dem Tod ihrer Eltern gesteckt wurde.
Vertrauen fasst die 12-Jährige allein zu einigen Gespenstern, die auf einem nahegelegenen Waldfriedhof hausen. Und sie auf die Idee bringen, dass ihre Eltern vielleicht doch noch leben, irgendwo. Sie bieten Saskia Unterstützung bei der Suche nach ihnen an. Allerdings nicht ohne Hintergedanken …
Und dann ist da noch Oskar, der Einzige aus dem Heim, den sie an sich heranlässt. Er will Saskia wieder auf die Seite des Lebens ziehen. Aber dann passiert etwas Unerwartetes. Und stellt Saskias aufkeimende Lebensfreude erneut auf den Prüfstand.

Das Interview mit Corinna Antelmann


Wie würden Sie Ihre Protagonistin Saskia aus ‚Saskias Gespenster‘ in drei Worten beschreiben?
Lebenslustiges, neugieriges und aufgewecktes Mädchen, die diese Charaktereigenschaften durch den Unfalltod ihrer Eltern zunächst verliert.

Warum hat Saskia dieses Gefühl, dass Ihre Eltern nicht gestorben sind?
Dass sie sagt, sie sind nicht gestorben, ist erst einmal eine Schutzbehauptung, damit man sie in Ruhe lässt. Das heißt, sie ist sich sehr wohl bewusst, dass sie tot sind, aber diese Schutzbehauptung führt dazu, dass sie einen Schutzraum um sich herum aufbauen kann und denkt, dadurch kann sie etwaigen Fragen und therapeutischen Maßnahmen entgehen.
Dann lernt sie die Gespenster kennen, die sie wiederum  tatsächlich auf die Idee bringen‚ ja vielleicht sind deine Eltern nicht tot‘. Und dann wird aus dieser Behauptung so etwas wie eine Hoffnung und schließlich der Glaube daran, den Tod ungeschehen machen zu können.

Da Sie vorhin erwähnten, dass es bei Kindern üblich ist, dass sie als Schutzbehauptung meinen, ihre Eltern nicht gestorben seien: Hatten Sie selbst diese Erfahrung gemacht oder kennen Sie Kinder, bei welchen dies der Fall ist? Oder haben Sie sich im Rahmen des Buches mit diesem Aspekt auseinander gesetzt?
Erstens habe ich Psychologie studiert und dadurch hatte ich mich auch viel mit Entwicklungspsychologie beschäftigt. Und im Zuge der Recherche von dem Buch natürlich explizit auch mit Trauerarbeit. Den Todesbegriff, entwickeln wir im Laufe des Lebens. Und spätestens mit sieben Jahren haben wir eine Vorstellung davon, was Tod heißt - wenn wir uns überhaupt eine Vorstellung darüber machen können, dass etwas tatsächlich zu Ende ist.
Bis dahin gehen Kinder  spielerischer mit dem Gedanken um, sodass es zum Beispiel mit fünf Jahren durchaus möglich ist, dass sie denken ‚Nö, meine Eltern sind nicht tot. Irgendwo sind sie‘. Nicht nur in der Fantasie, sondern im festen Glauben daran, weil der Todesbegriff noch im Entstehen ist. Nur: Saskia ist bereits Zwölf.

Für welches Alter würden Sie denn Ihr Buch empfehlen?
Wir haben uns entschieden das Buch ab 11 Jahren anzugeben. Je nach Leseerfahrung kann es auch tatsächlich für 9 bis 10 Jährige funktionieren. J
Allein von der Thematik ist es für viele Kinder interessant, natürlich auch beängstigend, aber ein Anlass, über den Tod zu reden.

Saskias Gespenster hat eine nicht alltägliche Sprachrhythmik. Wie sind sie dazu gekommen, dass Sie dieses Buch bewusst anders geschrieben haben?
Ich schreibe für Jugendliche und Erwachsene geschrieben. und wollte bewusst mit einem literarischen Anspruch an das Buch gehen, weil ich denke, dass Kinder Sprache lieben und ihnen sprachliche Feinheiten zumutbar sind und sie dieses zu schätzen wissen. Dennoch unterscheidet sich Saskias Gespenster natürlich von meinen Erwachsenenbüchern.

Wie sind Sie eigentlich zum Schreiben gekommen?
Ich habe Literatur studiert, bin dann allerdings mehr zum Filmemachen gewechselt. Das Bildhafte (Anm. von Interviewerin: vom Schreibstil) ist sicher Resultat des visuellen Denkens, und weil Saskia ursprünglich auch als Serie entworfen worden ist.

Hatten Sie direkt eine Fernsehserie vor Augen oder eher Drehbuchaft?
Ich habe es zusammen mit einem Kollegen als Serie entwickelt, in der wir  die Idee verfolgten, dass Saskia Gespenster trifft, von denen  in jeder Folge eines der Gespenster jeweils sein Abenteuer erlebt, und über die gesamte Zeit zieht sich die Frage durch: Was ist eigentlich mit Saskia, und was lernt sie durch die Gespenstergeschichten über sich selbst? Wir haben leider keine Produktionsfirma, auch aus den Gründen, dass viele gesagt haben: ‚Kinder und Tod, das ist zu heikel‘. Meine Erfahrungen mit Kindern sagen das Gegenteilig. Dann haben wir die Geschichte  als Kinofilm konzipiert. Als abgeschlossene Geschichte. Aber auch dafür hat sich niemand finden lassen. Zum einen ist es ein bisschen aufwendig zu produzieren, weil die Gespenster eben ins Fantasyhafte gehen, zum anderen eben nicht so leicht zu greifen: Wo steckt man die Story hin? Ist das jetzt Unterhaltung für Kinder? Oder ist es dafür zu schwer?

Vorhin hatten wir ja schon das Thema, dass Sie ‚Saskias Gespenster‘ schon im jüngeren Alter als Leselektüre empfehlen würden. Jetzt gehen wir mal in die andere Richtung. Welches Alter, würden Sie sagen, ist das höchste Alter, mit welchem man dieses Buch lesen kann?
Ich hoffe, dass es die Jugend wie auch Erwachsene gleichermaßen interessiert. Bei den Älteren sehe ich eigentlich nur das Problem, ob sie sich noch beschäftigen wollen mit einer 13 jährigen Protagonistin. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es zumindest als Diskussionsanreiz zum Thema Sterben interessant ist. Ein bisschen ist das Buch ja auch so gemeint. Darüber nachzudenken, Ob man es auch in der Schule lesen könnte, im Ethik Unterricht, um über den Tod ins Gespräch zu kommen, wie ich mir den Tod vorstelle. Wie es sein könnte. Darüber vielleicht auch ein Gespräch zu finden. Das jeder sich überlegen kann: ‚Was glaube ich eigentlich? Was passiert nach dem Tod? Gibt es da noch etwas? Gibt es Gespenster, lebt etwas fort? Wie ist das eigentlich?‘.

Inwiefern war die Figurenentwicklung für Sie denn wichtig, um direkt einen Anstoß zu geben, es geht noch weiter das Leben.
Mir war es ganz wichtig, dass ein endgültiger Abschied überwindbar ist, ohne die Trauer wegzureden. Dass sie sein darf. Dass es auch gut ist zu trauern, dass es natürlich auch traurig ist, den Tod eines geliebten Menschen anzuerkennen. Dass Saskia ihr Leben wieder in die Hand nimmt,  war mir ganz wichtig. Dass sie ihren Lebensmut findet. Am Ende soll stehen: Saskia hat den Mut zu sich selber gefunden, so wie es ihr Freund Oskar anspricht, wenn er sagt ‚Du verkriechst dich. Und du lehnst dein Leben ab. Nimm es als Geschenk‘. Dass sie sieht, ja, ich habe mein Leben noch vor mir, und es wird weiter gehen. Und dafür hat sie vielleicht diese Zeit gebraucht, die im Buch natürlich noch sehr verkürzt ist. Ich denke, dass so eine Trauer länger dauert. Aber was ich zeigen wollte, ist, dass wenn man dem Raum gibt, ist der Schmerz überwindbar ist. ,Das Leben geht weiter.
Oft sterben in der Kinder- und Jugendliteraturbeide Elternteile , nicht so real wie bei Saskia, die nach dem Unfalltod  mit dieser Trauer umgehen muss. Aber ein bisschen ist dieses Sterben auch Sinnbild dafür, dass wir ohnehin alle uns von unseren Eltern auf die eine oder andere Weise verabschieden und dadurch auch reifen. So schlimm das auch klingt in dem Zusammenhang, aber natürlich ist braucht es auch einen Ablöseprozess, um selber erwachsen zu werden.

Diesen Prozess macht Saskia ja jetzt sehr für und unfreiwillig durch. Gibt es eigentlich dann auch Figuren, die eine Elternrolle übernehmen?
Ganz am Anfang wird Tante Moni erwähnt,  die überfordert ist mit dieser Situation - ohne sie zu diskreditieren, auch für sie ist es eine schwere Situation, denn es ist die Schwester der Mutter. Und deswegen entschließt sich Moni auch, Saskia in diese Betreuungssituation zu geben. Was eine gute Entscheidung ist in dem Moment, weil Saskia in dem Moment auf dem Weg in die Depression ist. Durch den Prozess, den sie jetzt in dem Kinderheim macht, deute ich zumindest die Möglichkeit an, dass sie irgendwann wieder zu Moni kommt.
Plötzlich vor die Situation gestellt, ein trauerndes Kind zu begleiten, ohne selber mit der Trauer durch zu sein, ist schwer.
Tante Moni spielt kaum eine Rolle, aber für mich ist sie trotzdem eine sympathische Figur. Keine ‚Jetzt gebe ich das Kind weg‘-Tante, sondern eine, die in dem Moment nicht in der Lage ist, Saskia aufzufangen.

Abschließend, da wir schon über viele Dinge gesprochen haben: Was würden Sie denn noch loswerden wollen?
Vielleicht noch den Versuch, zu entkräften, dass Saskia ein durchweg schweres Sujet beinhaltet, wie es die Resonanz vermuten ließe, die ich auf das Filmdrehbuch damals bekommen habe: ''Das greifen wir lieber nicht an. Und das ist zu deprimierend für Kinder. Ich sehe es auch deshalb anders, weil wir  schon in der Serie versucht hatten, Trauriges mit Lustigem zu mixen – zum Beispiel durch die Abenteuer, die Saskia und die Gespenster erleben. Eben den Ernst heraus zu nehmen, damit Saskia nicht nur die ganze Zeit leidet, sondern die Chance hat, eine Gegen-Welt aufzubauen auf dem Friedhof. Mit den Gespenstern. Und etwas zu tun. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass sie das Gefühl hat, sie kann ins Handeln gehen und ist ihrer Trauer nicht ohnmächtig ausgeliefert. 


Das Gewinnspiel



1x1 gebundene Ausgabe von ‚Saskias Gespenster‘.

Was ihr dafür tun müsst?
Kommentiert unter diesen Beitrag (oder unter den von Morgen, der sich ebenso um dieses Buch drehen wird), was genau ihr denn mit Trauer verbindet. Ob ihr ebenso wagemutig einem Abenteuer mit Gespenstern entgegentreten würdet, welche die Protagonistin Saskia in diesem Buch erlebt?
Bitte beachtet, dass dieses Buch im Rahmen der Rezensionsexemplare gelesen wurde und vermerkt ist, dass es sich um ein Leseexemplar handelt. Es wurde vorsichtig gelesen, sodass keine Knicke und keine Leserillen entstanden sind!

Rechtliches:
  • Gewinnspiel ab 18 Jahren
  • Wenn der Teilnehmer noch nicht das 18. Lebensjahr erreicht hat, kann er am Gewinnspiel nur dann teilnehmen, wenn eine Einverständniserklärung des Erziehungsberechtigten vorliegt
  • Postversand innerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Für den Postversand gibt es keine Haftung
  • Eine Barauszahlung des Gewinnes ist nicht möglich
  • Das Gewinnspiel geht vom 23. April 2016 11:00 Uhr bis 30. April 2016 23:59 Uhr
  • Der Gewinner wird unter allen teilnehmenden Personen, die einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen per Zufallsgenerator von Random.org ausgelost und auf meinem Blog bekannt gegeben
  • Der Gewinner hat vier (4) Wochen nach Erhalt der Gewinnbenachrichtigung Zeit seine Kontaktdaten für den Versand weiterzugeben. Geschieht dies nicht innerhalb dieser Zeit, besteht kein weiterer Gewinnanspruch und der Folgegewinner wird nochmals unter allen Teilnehmern ausgelost
  • Die weitergegebenen persönlichen Daten werden nicht an Dritte weiter gegeben und nach dem Versand des Gewinns gelöscht

5 Sprünge

  1. Huhu!

    Schön, dass du bei dieser tollen Aktion mitmachst :)
    Mit Trauer bringe ich immer auch einen Verlust oder eine Enttäuschung in Verbindung. Wenn man einen geliebten Menschen verliert, ist Trauer wohl unumgänglich, genauso geht es mir aber auch, wenn ich von einem Menschen, der mir sehr Nahe steht, enttäuscht werde.
    Ich denke, dass ich an Saskias Stelle nicht ganz so mutig wäre (aber pssst, nicht weitersagen) ;)

    Ich hoffe, dass ihr einen schönen Tag hattet!

    Viele liebe Grüße
    Mel Hope

    deathsufferi@live.de

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  2. Trauer hat was mit dem Gefühl des Enttäuschtseins und oder von Verlust zu tun.

    Viele denke ich, verbinden Trauer auf jeden Fall mit dem Verlust eines Menschen, Tieres oder eben eines geschätzten und wertvollen Begleiters des bisherigen Lebensweges.
    Hmm...ob es wirklich mit Mut zu tun hat, sich mit Gespenstern bzw. Geistern einzulassen?
    Aber sagen wir mal ganz salopp.. ich würde diese Möglichkeit sicher auch in Betracht ziehen in der Situation, wenn ich das Gefühl hätte, daß es mir hilft.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Guten Morgen mehrpfot!

      Herzlichen Glückwunsch, du hast mit deinem Kommentar das Buch Saskias Gespenster von Corinna Antelmann gewonnen!
      Bitte nimm mit uns Kontakt auf, damit wir den Gewinn an dich verschicken können.

      Liebe Grüße
      Sarah

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  3. Trauer ist ein sehr negatives Gefühl für mich. Ein Gefühl von Verlust, von Angst, das Gefühl vom Verlassen sein.

    daniela.schiebeck@t-online.de

    Liebe Grüße,
    Daniela

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  4. Für mich ist Trauer ein Teil meiner Kindheit, da ich meinen Vater kurz vor meinem 4. Geburtstag verloren habe.

    Vielleicht spricht mich dieses Buch gerade deshalb an. Danke für die Gewinnchance.

    Viele Grüße,
    Birgit

    swappinghowdies@yahoo.de

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