[Rezension] Fesselnd, schlüssig und trügerich: Wer war Alice von T. R. Richmond [Hörbuch]

Wer war Alice bei Random House

PRODUKTDETAILS:

Titel: Wer war Alice
Reihe: -
Autor: T. R. Richmond
Gehörte Sprache: Deutsch
Übersetzer: Charlotte Breuer, Norbert Möllemann
Genre: Psychologischer Spannungsroman im Thrillerbereich
Herausgeber: Der Hörverlag (ein Verlag der Verlagsgruppe Random House GmbH)
Erscheinungstermin: 26. Februar 2016
ISBN: 978-3-8445-2163-4
Format: ungekürztes Hörbuch als Download
Gesamtspielzeit: 755 Minuten
Sprecher: Josefine Preuß, Walter Kreye, Regina Lemnitz, Tanja Fornaro, Jacob Weigert, Stefan Kaminski
Preis: EUR 25,95
Kaufen bei: Random House; Audible
 
PRODUKTINFORMATIONEN:

Kurzbeschreibung:
Alice Salmon ist erst fünfundzwanzig Jahre alt, als sie eines Morgens leblos in einem Fluss in Southhampton gefunden wird. Eigentlich wollte sie am Abend zuvor nur Freunde treffen - sie ahnte nicht, dass dies die letzten Stunden ihres Lebens sein würden. Aber was ist passiert? Ist sie wirklich ins Wasser gestürzt, weil sie zu viel getrunken hat? War es ein tragischer Unfall?

Die Nachricht ihres Todes verbreitet sich wie ein Lauffeuer, auch über Facebook und Twitter. Gleich werden Vermutungen angestellt: Über sie, ihr Leben und ihren Tod.
Auch ihr ehemaliger Professor Jeremy Cooke ist erschüttert. Wie ein Besessener versucht er herauszufinden, was in jener Nacht tatsächlich geschah. Jeder kleinsten Spur geht er nach und sammelt alles über Alice, was er finden kann. Aber warum ist er so engagiert?

Der Verlag über das Buch:
Ein herausragendes Thriller-Debut.

Über den Autor:
T. R. Richmond ist ein preisgekrönter Journalist, der für regionale sowie überregionale Zeitungen, Magazine und Webseiten geschrieben hat. Die Übersetzungsrechte von „Wer war Alice“ wurden in über 20 Länder verkauft.

DIE BEWERTUNG

Meinung:
Mit jeder Menge Spannung, wird dem Leser nicht nur Alice auf ihrem Weg begleiten, sondern auch jeder Spur, die manchmal ins Ungewisse führt.

Das Cover/Die Gestaltung:
Ein körniges, weibliches Gesicht auf schlichtem, schwarzem (und ebenso verpixelt scheinendem) Hintergrund. Trotz der Überhand nehmenden Identifikationssuche mit der weiblichen Hauptprotagonistin wirkt dieses Cover. Denn es nimmt einen mit. In das Leben der Hauptfigur. Somit wird der Leser beziehungsweise der Hörer schon auf genau das eingestellt, was er auf die Ohren oder Augen bekommt. Eine Geschichte, welche sich um die Frage dreht wer Alice war.
2,0/2,0 Punkten

Die Figurentiefe/Die Figurenentwicklung:
Schnell wird einem klar, dass dieser Thriller sich über seine Figuren und ihren Charakter entspinnen wird. Und hier drin liegt auch die große Anziehungskraft. Keine einzige Person, welcher man begegnet, bleibt ein bloßer Schatten. Durch die Nähe werden sie lebendig. All ihre Probleme werden greifbar und all ihre Sorgen lebensecht.
So entwickeln sie sich selbst, wie auch die Geschichte, welche sie durch ihre Handlung vorantreiben. Immer weitertreiben und sich wie im wahren Leben auch einmal verrennen.
Durch diese Aufteilung und dass man von der eigentlichen Hauptfigur in Rückblenden und in Erzählungen anderer erfährt, bleibt man gleichzeitig unwissend wie auch informiert. Mit Bruchstücken, kleinen Fragmenten, welche jede Information von anderen beiträgt, wird ein Bild von Alice aufgebaut und dann mit jedem weiteren Stück entweder ausgebaut oder vernichtet.
So nimmt man die Position eines mitdenkenden Beobachters ein, welcher die Informationen in sich speichert. Ein Nicht-mit-rätseln ist somit unmöglich, da die Figuren in ihren inneren Monologen ebenso das Bild, welches sie von Alice haben immer wieder neu definieren müssen.
2,0/2,0 Punkten

Der Plot/Der Geschichtsverlauf:
Alice, eine junge Frau, welche man eines Morgens tot im Fluss findet, birgt mehr Geheimnisse in sich, als es auf den ersten Blick scheint. Jeder scheint sie zu kennen und zu meinen sich über ihren Tod ein Urteil bilden zu können. Dennoch sind die Umstände ihres Todes noch im Unklaren, doch Professor Jeremy Cooke will von alledem nichts wissen. Er glaubt nicht an einen Selbstmord, obwohl Alice Tod genauso aussehen mag.
Facebook und Twitter, das soziale Leben spielt in diesem Thriller eine große Rolle. Denn man bekommt durch diese Medien das Bild mit, welches andere von Alice haben oder es sich nach dem Tod von ihr zusammen spinnen. Denn Alice Tod gibt Rätsel auf. War es ein Selbstmord oder ein tragischer Unfall? Rache oder schlichtweg der letzte Ausweg, den Alice sah?
Zusammen mit Alice Freunden und dem Professor, welcher von Alice besessen zu sein scheint, werden Bilder der Hauptfigur geschaffen, welche sich ständig erweitern und erneuern.
Mit diesen Fragmenten bleibt der Leser nahe am Geschehen und durchläuft alle möglichen Irrungen und Wirrungen mit den Hinterbliebenen Figuren. So werden Fährten gelegt, welche einen zwar immer näher ans Ziel heranbringen, sich aber genauso schnell im Kopf festsetzen. So ist man mitten im Geschehen und lässt keinen Gedanken ungedacht, welchen die Figuren auf der Spur sind.
Viele Figuren kommen zu Wort und psychologische Kniffe aus dem Thrillerelement, lassen sich die Spannung weiter aufbauen. Ohne zu viel zu verraten und ohne wirklich den Hörer oder Leser im Dunklen tappen zu lassen, breitet sich ein Bild vor einem aus, dass immer mehr an Klarheit gewinnt. Zwischen der gesagten Wahrheit und dem Unwissen der sich meinungsbildenden Personen liegt ein großer Ozean an Vermutungen, Tatsachen und vor allem Lügen.
2,0/2,0 Punkten

Der Aufbau/Die Nachvollziehbarkeit:
Alles beginnt mit Alice Tod und der Frage, ob es denn ein Selbstmord sei oder schlichtweg ein tragischer Unfall. So werden die sozialen Medien gezielt eingesetzt, um mit jedem weiteren Schritt die Figur der Alice aufzubauen. So wie sie andere sehen. So wie andere denken, wie sie war, nachdem immer und immer weitere Details ans Tageslicht kommen.
Durch genau diesen gut ausgearbeiteten Plot, der immer weitere Fragen aufwirft, sie beantwortet und im Kopf des Lesers oder Hörers ein Bild nach dem anderen erschaffen, bleibt es spannend bis zur letzten Minute.
Durch Rückblenden, welche der Wahrheit und dem wirklichem Geschehen immer näherkommen, gewinnt man ebenso ein gutes Bild der schon toten Hauptprotagonistin.
Alles wird logisch und wie es eben im wahren Leben auch ist, mit vielen Wendungen aufgebaut, sodass man auch hin und wieder seine eigenen Thesen verwerfen muss, um sich eine neue Version von Alice Tod zusammen zu spinnen.
2,0/2,0 Punkten

Der Sprecher/Die Sprachqualität:
Durch die vielen Sprecher, werden die Figuren lebendig. Man verbindet jede einzelne Stimme mit einem anderen Menschen, sodass man als Hörer schnell ein klares Bild bekommt, wer den gerade am Zug ist und welche Personengruppe denn welche Tweets oder Facebook-Beiträge schreibt.
So bleibt es, trotz der Länge des ungekürzten Hörbuches durchgehend spannend, manchmal so einfühlsam, dass man denkt, man wäre mitten unter den sprechenden, denkenden und handelnden Figuren. Gänsehautmomente werden auf diese Weise ebenso mit der Stimme der Sprecher aufgebaut, wie mit dem Plot. So wirken die psychologischen Kniffe der Story noch näher und lassen einen atemlos und immer weiterdenkend zurück.
2,0/2,0 Punkte

Fazit:
Mit 10,0 von 10,0 Punkten vergebe ich all denjenigen die Leseempfehlung, welche einen Thriller weitab der blutigen Kriminalgeschichten haben wollen. Natürlich geht es darum den Tod eines Mädchens aufzuklären, weil einer nicht wahrhaben will, dass sich dieses lebenslustige Mädchen umgebracht haben soll. Hier wird vor allem mit dem Bild der Öffentlichkeit und dem Bild einzelner Personen gespielt. Raffiniert in Szene gesetzt und durch die Sprecher herübergebracht. So erlebt man die Gänsehaut, riecht den Fluss und will mehr und mehr von Alice wissen. Denn die größte Frage ist, wer Alice war und warum sie einsam im Fluss starb. Denn Alice ist nie die, welche andere kannten. Das Gesamtbild ergibt sich erst, wenn man alle Fragmente vereint und die Unwahrheiten geschickt erkannt und aussortiert hat.

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