[Kolumne] Zwischen Spitzzüngigkeit, der Selbstbestimmung und altbekannten Klischees


Wir alle kennen sie. Einige lieben wir. Und andere wiederum wollen wir einfach nur durch das Buch ziehen und den Kopf waschen.
Weibliche Romanfiguren gibt es wie Sand am Meer. Und jede Kategorie ist dabei.
Würde man meinen. Denn es gibt Protagonistinnen, welche sich nach einem bestimmten Schema immer und immer wieder auf die Bestsellerliste verirren. Und wie ich finde gibt es dort ein sehr erschreckendes Bild, welches vor allem in Jugendbüchern stark vertreten ist.

Natürlich gibt es Klischees. Diese sind in der Welt einfach nicht zu vermeiden. Machen es uns einfacher jemanden in eine bestimmte Gruppe zu schieben oder aber uns eine Meinung zu bilden. Zugegeben eine Meinung, die meist einfach nur oberflächlich ist. Aber eben auch wichtig. Oder?
Denn es gibt sie einfach zu oft. Diese Klischees in den Jugendbüchern. Und wir reden nicht von den versuchten Bad Boys, die sich mit harter Schale und weichem Kern in Geldscheinregen ihren Waschbrettbauch einschmieren.
Sondern von einem Frauenbild, das mich mitunter auch ziemlich zurück schrecken lässt.

Vielleicht kennen einige von euch meinen privaten Feed auf Facebook. Diese werden jetzt anerkennend nicken, andere werden sich n den Kopf fassen und wiederum (für alle diejenigen, die mich privat auf Facebook nicht kennen) andere werden ein großes Fragezeichen über dem Kopf haben.
In letzter Zeit habe ich mich vermehrt mit dem Frauenbild in (von Verlagen oder den Autoren selbst angepriesenen) Jugendbüchern beschäftigt.
Natürlich lässt sich darüber streiten (da ja alles so fiktional ist und man selbst in der Jugend gar nicht so beeinflussbar), ob und wer den eine Verantwortung gegenüber dieser Zielgruppe trägt. Der Verlag, der Käufer oder aber auch der Autor selbst?
Aber dennoch stand für mich fest, dass vor allem in den Jugendbüchern, die Bestseller geworden sind (und zum Beispiel auf der Spiegel Bestsellerliste stehen oder vom Verlag aus dem digitalem Imprint in den Buchhandel geholt worden) ein ganz bestimmter Frauenschlag zu finden ist.


Sie sind jung, spitzzüngig und verlieren dann dennoch ihre Würde und ihre Stärke (zusammen mit der Selbstständigkeit), wenn es um den männlichen Part geht.
Oder aber: Sie werden nicht beachtet, weil andere Protagonisten sie für zu hässlich oder zu uncool halten. Und plötzlich verwandeln sie sich vom hässlichen Entlein in den glanzvollen Schwan. Werden beachtet und natürlich verliebt sich der coole Schwarm auch in einen! Natürlich liegt dann jeder Mann zu Füßen. Und das nur weil man sich einem Schema anpasst, dass man sehr gut aus Frauenzeitschriften kennt.

Also so nach dem Motto: Friss oder Stirb? Wenn du vergeben bist, dann musst du dich nicht mehr um andere Sachen kümmern? Schon gar nicht, dass du auf eigenen Beinen stehst und ein Recht drauf hast, dass man dir deine eigenen Entscheidungen lässt. Natürlich weiß der mächtige Mann, der schon in seinen Teenie Jahren wie ein muskulöser Mittzwanziger aussieht und dazu noch eindeutig mehr Schotter hat als man selbst, was für einen das Beste ist.
Das ist natürlich einfach nur zum niederknien und Luftzufächeln, bevor man in Ohnmacht fällt, weil man eben einfach nicht mehr denken kann, wenn ein solcher Kerl vor einem steht. Oder aber… Oh doch! Klar, kann man noch eigenständig denken. Ein sarkastischer Spruch auf den Lippen und schon… schwupp… wird aus einem wieder eine starke Frau, die gut selbst zurechtkommt. Natürlich bis man wieder benebelt ist von seinem Duft. Oder auch wahlweise von diesem Körper. Dann schieben wir einfach einen weiteren Spruch hinterher.
Bloß nicht anmerken lassen, dass man ihm verfallen ist. Nein, das merkt er ja spätestens dann, wenn man eine eigene Entscheidung treffen will, aber wegen Drohungen jeglicher Art ins gemachte Nest zurückgekrochen kommt.
Frau will ja nicht ihre Würde verlieren.


Also sind all die Bellas, Ellas und Jess‘,Felicitys und wie sie alle noch heißen mögen so vollkommen in Klischees verankert, dass sie an einer Zielgruppe vorbei schreiben?
Mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass weder Twilight, noch Paper Princess (laut dem Autorenduo ist dieser Roman wirklich für Young Adult/jugendliche Leser ab 17; hier nachzulesen), noch die Pan-Trilogie oder eben auch Götterfunke sich nur an eine Zielgruppe richtet. Nicht nur mit Erstaunen. Mit Erschrecken ebenfalls.

Wer mich kennt, der weiß, dass auch ich einmal ein TwiHard gewesen bin. Klar, war meine Jugendzeit. Da kann man doch einfach nur von einem Edward träumen? Nicht wahr? Aus heutiger Sicht… Phu… Ich glaube ich würde mir die Haare raufen. Weil Bella erst eindeutig stark tut. Und dann, wenn sie ihren Mann der Träume gefunden hat, genau dort versagt, wo es wichtig wäre.
Und da wir gerade bei den Storys sind. Ella aus Paper Princess… Ich mochte sie. Die ersten 30 Seiten. Sie ging arbeiten, hat für sich selbst gesorgt und es gab mehr als dieses triviale Teenie Drama. Doch dann, kaum ist sie in einem reichen Umfeld mit wirklich heißen Typen (was bis zum Umfallen natürlich erwähnt werden muss… Füllt ja ein paar Absätze!), schon kann sie nur noch spitze Kommentare abgeben und lässt sich geradezu um den Finger wickeln.
Aber, da ich beschlossen habe zu diesem (aus meiner Sicht) sehr bedenklichem Roman eine Rezension zu verfassen, werdet ihr bald schon meine ganzen Kritikpunkte dazu bekommen.


Also weiter im Text. Viele unserer sehr erfolgreichen Jugendbücher bedienen sich mittlerweile ausschließlich an Klischees. Die Frauen (oder sollte ich Mädchen sagen? So verhalten sie sich nämlich… ) werden zunehmend zickiger. Verwechseln dies aber scheinbar mit dem sagen der eigenen Meinung. Geben zynische Kommentare darüber ab, dass man es doch selbst schafft und muss dann idiotischer Weise jedoch wieder (weil sie einfach wirklich hilflos sind) auf den Mann zurückgreifen. Der natürlich gut aussieht. Und von jedem Mädchen begehrt wird. Es ist also eine Ehre, dass er mir hilft! (OH MEIN GOTT *ausraste* ER STEHT AUF MICH?? Dabei könnte er doch jede andere haben. Mit diesem Body…)
Oder aber sie versinken im Selbstmitleid, weil sie nicht dem gängigen und überaus frauenfeindlichem Schönheitsideal entsprechen. Natürlich werden sie sich aber anpassen. Man will ja ein Happy End, wo das junge Mädchen den Mann ihrer Träume gefunden hat. Heiratet. Kinder bekommt und natürlich Haus und Hof hüten kann. Der Mann geht arbeiten. Reicht ja aus. Gut, dass Hausarbeit ebenso (und eine weitaus härtere) Arbeit ist wird ja aber nicht erwähnt. Kinder hüten und putzen. Kochen und waschen. Alles ja kein Problem. Und wenn man(n) dann doch ein wenige locker machen kann wird eben eine Haushälterin eingestellt. So kann Frau sich ja dann auch um die Bedürfnisse des Mannes kümmern. Aber das sollte jede auch für sich entscheiden. Mein Fall wäre dies im Übrigen nicht.

Neben diesen Klischees gibt es kaum noch andere Frauenbilder. Entweder man kann seinen Mund aufreißen und sarkastische Sprüche klopfen (und dann die Emanzipation vergessen, oh ja, es pocht ja so angenehm zwischen den Beinen; der Kerl ist einfach zum niederknien) oder aber bleibt hilflos. Natürlich gibt es auch Jugendbücher, welche nicht ausschließlich in solchen Klischees aufgebaut sind. Die uns Frauen nicht in ein paar Schubladen stecken und uns nicht weismachen wollen, dass Sarkasmus allein eine starke Frau ausmacht. Doch leider gibt es vor allem in den Bestsellerriegen, meines Erachtens nach, zu wenige dieser.

Wie findet ihr denn diese Schubladen, die gerne in Jugendbüchern aufgerissen werden um ein möglichst großes Publikum zu erreichen? Sagt ihr, dass dies ja alles nur Fiktion ist und niemanden wehtut? Oder vertretet ihr auch die Ansicht, dass sich Fiktion durchaus auch in den Köpfen von beeinflussbaren jungen Mädchen festsetzten können?

Kommentare:

Julia H. hat gesagt…

Was für ein super-genialer Blogpost über ein Thema, das mich in Büchern auch immer wieder beschäftigt!

Es macht mich immer wieder aufs Neue fertig, wie Mädchen/Frauen oft dargestellt werden: der hilflose, wunderschöne Schwand trifft den absoluten Macho Bad Boy - aber neeeein, sie verfällt ihm sofort und benimmt sich wie ein liebesblinder Trottel. Im Epilog sind die beiden dann natürlich glücklich verheiratet, mit Kindern. Ganz abgesehen davon, dass die meisten ersten Beziehungen nur sehr selten lange dauern ...

Die andere Art Figur, die du ansprichst, ist mir da schon eher sympathisch: sarkastisch, immer mit einem guten Spruch, meistens (!) sehr selbstständig. Obwohl diese Art Charakter dann in den meisten YA Büchern dann plötzlich unerwartet diesen mysteriösen Hottie trifft und an gar nichts mehr denken kann außer ihm ... Autoren können doch nicht wirklich denken, dass das wichtigste überhaupt für eine weibliche Person ist, einen Partner zu finden?! Ich würde gerne mal ein Buch ohne jegliche Klischees lesen, wo die Protagonistin wirklich menschlich erscheint mit Stärken und Schwachen und nicht wie eine weitere billige Kopie aus der Klischee-Schublade.

LG Julia

Sarah Liske hat gesagt…

Hallo Julia,

ja, ein Buch ohne jegliche Klischees wäre mal nicht schlecht. Oder aber ein Buch, dass so richtig schön mit den Klischees spielt (sie aufbricht, weil eben ein Mensch mehr ist, als nur eine Schublade) wäre mal eine besondere Abwechslung in der YA Literatur.
Natürlich kann jeder für sich selbst herausfinden, ob die Lebensaufgabe einen Partner zu finden in den man unsterblich verliebt ist (und natürlich wahnsinnig heiß aussieht und mindestens ein paar Millionen auf dem Konto hat) für einen selbst ausreicht oder nicht.
Dennoch finde ich es reichlich bedenklich, dass (vor allem bei Paper Princess) der böse Macho Bad Boy dann doch so zahm und pflegeleicht ist der (ich will nicht spoilern... Hrmm, einige würden das bestimmt als Spioler finden) Jungfrau in Nöten zwar wegen Missverständnissen das Herz zu brechen, aber ansonsten sie dennoch so zu behandeln als wäre sie Kostbarste auf der Welt.
Und Frau vergisst dann natürlich einfach, dass sie einen eigenen Kopf zum Denken hat. Lässt sich auf ihm ein und schwärmt davon, wie heiß er doch ist und man ihn erobern konnte, obwohl man ja doch so unerfahren ist und er mindestens die ganze Schule durch hat. Oh j, das finde auch ich romantisch. Nicht.

Ich denke, dass es vor allem die Klischees sind, die gut ankommen. Dank der Klischees kann man sich ja wunderbar hineinversetzten. Und die schlimme Vergangenheit der meist männlichen Charaktere wird dann ein bisschen Spannung rein bringen. Dabei finde ich, dass gerade diese Komponente nie ganz so ausgereizt wird. Sie wird als Aufhänger genommen, um den Mann zu erklären. Warum er so kalt, so Machomäßig oder gar brutal veranlagt ist. Aber klar, eine Frau wird ihn schon heilen können. Ist ja besser als irgendeine Therapie die sich mit den verschiedenen Süchten und Aggressionen beschäftigt.
So viel also auch mal zum Klischee des männlichen Parts, die ich auch nicht unbedingt super finde xD

Um auf deine Sache mit dem Epilog zurück zu kommen: Meist ist es ja so, dass sich diese Reihen endlos lange hinziehen, ein Hin und Her geschieht (oh ja, Soaps waren gestern, heute ist es eben das Buch, dass einen tagtäglich zur Verzweiflung bringt...) und dieses meist auf Missverständnissen beruht. Ganz beliebt sind auch irgendwie die Mordfälle. Die auch irgendwie auf berühmten Klischees aufbauen und einer Soap nachempfunden sind xD

Man sieht also, dass Charaktere, die in den Klischees nur so baden (und somit nicht nur der Frauenrolle keinen guten Dienst erweisen) gerade sehr in sind. Okay, das kann man sehen wie man möchte. Wo es hinfällt, dass sollte man aber genau betrachten. Denn wenn Missbrauchsthematiken selbst von Collagestudenten mit einem Fingerzeig auf den versuchten Bad Boy enden, läuft eindeutig etwas falsch. Klar, einem Gossenmädchen glaubt niemand. Wollte es ja so. Und da die Polizei oder wer anders so von mir denkt behalte ich das für mich. Egal ob der Typ vollkommen krank im Kopf ist und es wieder tun würde und dazu noch ein Verhalten an den Tag legt, bei dem man weiß, dass er noch jemanden verletzten wird. (So kam mir das nämlich rüber, vor allem im zweiten Band der Reihe rund um die strippende Ella. Aber den Rest hebe ich mir lieber mal für die Rezension auf xD)
Ich finde, zum Schutz vieler junger Mädchen sollte man nicht so lasch mit solchen Themen umgehen. Gerade in den YA Büchern werden sich junge Mädchen wieder finden und wenn sie beeinflussbar genug sind dies genau so machen.
Da finde ich, muss noch eine Menge getan werden.

Liebe Grüße
Sarah

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