[Interview] Stefanie Maucher

Die gesamte Blogtour & Gewinnspiel auf Stefanie Mauchers Homepage

Im Zuge der stattfindenden Blogtour von Stefanie Mauchers neustem Werk 'FIDA', welches in jüngster Zeit im Luzifer Verlag erschien, hatte ich das Glück, neben anderen Blogs ebenso, an dieser teilzunehmen. So durfte ich der Autorin persönliche, so wie spezifische Fragen zu 'FIDA' stellen.
Aber bevor ihr das gesamte Interview mit ihr lest, weise ich darauf hin, dass ihr Leser, welche 'FIDA' kennen oder noch kennen lernen wollen, die Chance bei einem Gewinnspiel ergreifen könnt. Hierzu werden Fragen auf Stefanie Mauchers Homepage gestellt, welche ihr beantworten müsst. So wünsche ich allen Teilnehmenden viel Glück, wenn die Fragen im Verlaufe des Tages von der Autorin gepostet werden.

Das Schreiben ist eine große Leidenschaft von Dir. Dies merkt man deutlich daran, wie gewandt du mit Deinen Worten umgehst um bestimmte Gefühle zu erzeugen. Doch wie wurde das Schreiben von Literatur zu Deiner Leidenschaft?

Eigentlich passierte das eher zufällig. In irgendeiner Form, für mich zum Spaß, habe ich immer geschrieben. Vor Jahren, in meiner Single-Zeit, unterhielt ich z.B. einen amüsanten Blog über meine Fehlschläge mit Männern, der rege frequentiert wurde. Meinen ersten Roman schrieb ich ebenfalls eher zufällig, weil ich Beschäftigung und Ablenkung brauchte, während mein Lebensgefährte längere Zeit im Krankenhaus lag. Die Leidenschaft war also zuerst da. Nach Fertigstellung des ersten Romans sah ich mich dann erstmals bei Verlagen um, entdeckte eine interessante Ausschreibung, einen Krimi-Wettbewerb bei Droemer/Knaur und schrieb dazu gezielt etwas. Mit Erfolg – 3. Platz – 1. Verlagsvertrag. Nachdem ich einmal Feuer gefangen hatte, wollte ich dann einfach nichts anderes mehr tun.

Deutlich merkt man an 'FIDA', dass Du Dich mit der Thematik auseinander gesetzt hast. Die Worte wurden gut gewählt um einige bestimmte Gefühle zu erzeugen. Doch was fühltest Du während des Schreibprozesses? Ändert sich Deine Stimmung währenddessen, je nach Thematik oder bleibt es Ein und das Selbe?

Nun, vor allem macht es mir Spaß, Geschichten zu erzählen. Und das so gut, spannend und mitreißend wie möglich. Ich nehme die Leser gern mit, auf eine regelrechte emotionale Achterbahn. Es macht mir sozusagen Spaß, die Gefühlslage beim späteren Lesen zu steuern und zu lenken. Das geht aber nur, wenn man auch bereit ist, sich selbst in die jeweilige Gemütslage hineinzuversetzen. Bei grausamen Szenen kann ich eine gewisse emotionale Distanz halten, doch es gab in Fida Szenen, die mich selbst zum Heulen brachten. Vor allem beim ruhigen „nochmals durchlesen“ während der Arbeit, wenn man gerade Hals über Kopf drinsteckt. Weniger dann, wenn ich gerade konzentriert an einzelnen Absätzen feilte.

Wer 'FIDA' liest hat persönlich gesehen eine gespaltene Sicht auf diese Thematik und wie Du diese in Deinem Roman verarbeitest. Was war dabei wichtig? War es Dir wichtig, dass Deine Leser möglichst geschockt sind oder dass Du ihnen das näher bringst, was Du zu sagen hast?

Mir war klar, dass Fida, allein aufgrund der Thematik, kein Buch für Zartbesaitete werden wird. Zu Schocken war jedoch nicht mein vordringliches Anliegen. Ausgangspunkt für Fida war, wie man im Zuge der Blogtour erfahren konnte, wirklich die Situation dieser Frau, Tatjana, die seit langem ihr Kind sucht.
In Kalte Berechnung thematisierte ich Ähnliches. Darin schickte ich den Leser „im Kopf einer Mutter steckend“, in der Egoperspektive, auf ein Date mit einem Mann, der eigentlich ihre minderjährige Tochter erwartet. Diese –Naivität und das Internet machten es möglich – erpresste er sexuell. In Kalte Berechnung waren die Wut dieser Löwenmutter, die ich darin schuf, und die Frage nach der Legitimation von Selbstjustiz, die Ausgangspunkte. In Fida war es die Verzweiflung der Mutter, deren Kind eines Abends einfach nicht nach Hause kam, bzw. die Vorstellung von ihr, die mich zur Story brachte.
Anfangs, im rohen Manuskript, waren manche Dinge auch noch vorsichtiger und zurückhaltender dargestellt. Erst die Überarbeitung machte Fida so vollkommen schockierend. Nach dem Lektorat fand ich Anmerkungen an der Seite, die z.B. so lauteten: „Die Vergewaltigung – die „ultimative“ Gewalt – darf nicht so nebenbei erwähnt werden. Zumal hier festgelegt wird: Er hat sie vergewaltigt. Und später rudern Sie dann zurück mit: Naja, schon, aber „nur“ anal. Das müssen Sie, auch wenn es fies ist, ein bisschen ausführlicher beschreiben. Um seine Kontrolle über sie noch eindringlicher zu machen. Brrr, ich werde kotzen, wenn ich es lese, aber … ich glaube, das braucht es hier.“ Auch die Reaktionen von Testlesern zeigten dann, dass ich manches ruhig noch mehr ausbauen darf. Dadurch wird das Buch manchen am Ende vielleicht zu hart sein, doch für viele ist es so vermutlich genau richtig.

Bei Deinem neusten Roman ist der Titel einer, bei welchem sich der Leser kaum etwas vorstellen kann. Nun, was bedeutet dieses ‚FIDA‘?

Damit nehmen wir natürlich etwas vorweg, was der Leser ansonsten im Verlauf des Buches erfährt und was für die Konstruktion der ganzen Geschichte nicht unwichtig war. Aber ich glaube, damit spoilern wir nicht zu sehr. Der Täter in meinem Buch hält sein Opfer an einer Kette im Keller, als wäre es ein Hund. Fida ist der Name, den er seinem „Haustier“ gibt. Der Name stammt aus dem arabischen Sprachraum und bedeutet „Aufopferung“ und „Hingabe“.

Wie ist es so, wenn ein Verlag, so wie der Luzifer Verlag, sich für Dein Werk 'FIDA' interessiert? Wie fühlt es sich an das erreicht zu haben, wo nach viele Autoren streben? Natürlich ist es nicht so, dass Du abgehoben bist. Du bist noch reichlich Bodenständig, aber dennoch habe ich persönlich das Gefühl, dass Du mehr erreichen kannst.

Zunächst: Verlagsverträge erscheinen vielen (unveröffentlichten) Autoren wie der berühmte goldene Gral. Sind sie aber oft nicht. Ich habe schon ebenso viele Verlagsverträge abgelehnt, wie unterschrieben. Die Gewinnspanne eines erfolgreichen Indies liegt höher, als bei einem Verlagsvertrag. Für mich war der Anreiz, bei Luzifer zu unterschreiben, dass man mir sehr faire Konditionen und jede Menge Mitspracherecht anbot, was Covergestaltung, Inhalt und Titel angeht. Keine Selbstverständlichkeit – in diesen Dingen hat der Verlag meist das letzte Wort. Dazu erfährt die Aufmachung ein qualitatives Upgrade und mein Buch kommt in den normalen Handel und ist auch im Buchladen bestellbar, nicht nur bei Amazon.
Ich bin realistisch: Gemessen an der Trägheit des Buchgeschäfts und der kurzen Zeit, in der ich mir eine doch ganz stattliche Leserschaft erschrieben habe, kann ich schon ein wenig stolz auf mich sein. Aber ich empfinde mich als noch ganz am Anfang meiner „Karriere“, nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Und nun abzuheben, weil ich mit dem Schreiben inzwischen zumindest so viel verdiene, wie eine durchschnittlich unterbezahlte Friseurin, das wäre albern. Reden wir doch noch mal drüber, wenn die „Harry-Potter-Millionen“ auf mein Konto wandern.

Was hat Dir bei dem Schreiben von ‚FIDA‘ am meisten Freude, Leid oder Sorgen bereitet? Waren es die emotional aufgeladenen Perspektivenwechsel oder die Thematik an sich? Oder doch etwas ganz anderes?

Oh, dafür habe ich eine herrlich schräg wirkende Antwort parat: Am meisten gefreut hat mich, wenn mich der Text selbst zum Heulen brachte – denn ich merkte, dass er gut war.
In erster Linie folge ich beim Schreiben nicht nur meiner Idee, sondern meinem Gefühl für Texte, wie sie Emotionen und Bilder transportieren. Dieses Gespür ist es vielleicht, was mein Talent ausmacht und weshalb sich meine Bücher von anderen Thrillern unterscheiden. Was ich schreibe muss mich in erster Linie selbst mitreißen können, denn sonst ist es schwer, Monate mit ein und demselben Text zu verbringen. Wenn er mich dann, obwohl ich ihn in und auswendig kannte, beim Lesen so packen konnte, dass es mir die Tränen in die Augen trieb, dann war das für mich ein klares Zeichen dafür, dass er die Wirkung erzielt, die er erzielen soll. Fida sollte kein „schönes Buch“ werden, das emotional leicht zu verdauen ist.

Welche Botschaft würdest Du an die Leser von ‚FIDA‘ richten und welche an die Leser Deiner anderen Romane?

Ich hab‘s nicht so mit „Botschaften an die Welt“. Allem voran, hoffe ich immer, meine Leser gut zu unterhalten. Vielleicht können meine Bücher sensibilisieren, zum Beispiel im Umgang mit dem Internet, in Bezug auf den Schutz unserer Kinder. Oder generell dazu, nicht mit rosaroter Brille durchs Leben zu laufen, sondern die Augen wachsam geöffnet zu halten. Einzig an die Leser von Franklin habe ich eine spezielle Botschaft: „Bitte nicht nachkochen!“

Eine spezifische Frage, welche nicht nur Autoren interessiert, ist meist die der Charakterentwicklung. Deine Figuren sind so authentisch, dass man meinen könnte, dass jeder mindestens eine dieser Personen persönlich kennt. Wie handhabst Du es denn, wenn eine Figur ihr Eigenleben so sehr entwickelt, dass diese sich nicht in die Geschichte einfügen lassen?

Dann, schweren Herzens, lösche ich sie, streiche ihre ins Nichts führende Rolle oder schreibe das Ganze ab der Stelle, an der die Sache beginnt aus dem Ruder zu laufen, so um, dass es am Ende wieder passt. Glücklicherweise passiert mir so was selten. Andere plotten auf Papier, ich hingegen leiste wochenlange Kopfarbeit, grüble quasi ununterbrochen, selbst beim Kochen, Wäsche waschen, oder abends im Bett, bis ich die Geschichte und ihre Figuren eindringlich vor Augen habe. Erst dann schreibe ich los.

‚FIDA‘ spaltet die Leserwelt, strapaziert die Nerven, lässt Träume und Wünsche während des Lesens entstehen und lässt sie ebenso platzen. ‚FIDA‘ geht unter die Haut wie kaum ein Roman, weil er mit einer der Urängste von vielen Frauen und Müttern spielen. Nicht nur mit diesen; aber dennoch wie kommt man auf ein solches Thema, welches meist totgeschwiegen wird? Hat Dich eine persönliche Erfahrung dazu verleitet dies zu schreiben oder der Reiz sich in jede dieser Figuren mit all ihren Geheimnissen hineinzuversetzen?

Ein wenig realistischen Hintergrund gibt es tatsächlich. Die Geschichte des virtuellen Missbrauchs, den meine Mutter in Kalte Berechnung aufdeckt, dem Vorgängerwerk, ist so tatsächlich passiert. Allerdings ist der Rest der Story reine rachsüchtige Fiktion. Das, was ich mit dem Täter am liebsten gemacht hätte.
Nachdem ich Kalte Berechnung geschrieben hatte, befasste ich mich thematisch noch lange mit solchen Dingen. Ich hielt unter anderem eine sehr interessante Leserunde ab, die mich dazu brachte, auch über Aspekte des Themas nachzudenken, die in der Novelle überhaupt nicht angeschnitten wurden.
Fida ist vielleicht einfach nur die konsequente Fortsetzung meiner damaligen Gedanken und die Umsetzung desselben Themas, die einfach noch ein Stück weitergeht und sich damit beschäftigt, wie es sein könnte, wenn man eben nicht rechtzeitig beschützend zur Stelle ist. Wenn dem Kind tatsächlich etwas passiert, das Ganze nicht verhältnismäßig harmlos ausgeht und man als Mutter tatsächlich mit dem Verlust und der Ungewissheit bezüglich seines Schicksals zurechtkommen muss.

‚FIDA‘ wurde aus vielen Sichten geschildert. Wurde aus erzählender, sowie erlebender Sicht erzählt und man fragt sich als Leser, ob man dies nicht unterbinden könnte, da einige dieser Sichten wirklich explizit sind. Einige werfen Dir vor schamlos mit dieser Thematik umzugehen, andere danken Dir für diese Reise durch alle Gefühlsebenen. Wie gehst Du mit solchen gespaltenen Meinungen um? Wie mit Lob, wie mit Kritik?

Über Lob freue ich mich natürlich. Mit Kritik versuche ich so gelassen wie möglich umzugehen. Was ich in Fida schildere, ist körperlicher und vor allem auch psychischer Missbrauch, den man sich schlimmer kaum vorstellen kann. Für mich war dieses Extrem eine Folge der Figur, die ich zuerst vor Augen hatte: Der suchenden Mutter, die langsam an der Ungewissheit zugrunde geht. Sie, beziehungsweise ihr Kind, musste eine Geschichte haben, die einfach nicht schön sein konnte. Und mir hätte wohl kaum jemand abgekauft, wenn mein Täter sein Opfer entführt hätte, um anschließend ein Jahr lang mit ihm im Keller Mikado zu spielen. Fida hat Szenen, die hart und wirklich schwer zu verdauen sind. In manchen brauchte ich auch etwas „Ermutigung vom Lektor“, um mich überhaupt so weit zu wagen. Fida schildert nicht nur das Verbrechen, sondern auch die entsetzlichen psychischen Auswirkungen, die so etwas nicht nur auf das Opfer, sondern auch auf davon betroffene dritte oder vierte Personen haben könnte. Auch aus der Sicht des Opfers zu berichten, oder Einblicke in den Kopf des Täters zu gewähren, erschien mir folgerichtig und notwendig, um alle Facetten zu zeigen. Ich verstehe, wenn das manchem zu hart und dass dieses Buch bestimmt nicht für jeden was ist. Wer heitere, leicht verdauliche Unterhaltung möchte, der sollte die Finger von Fida lassen. Doch wer ein emotional mitreißendes Buch sucht, das sich spannend und realitätsnah mit einem ernsten Thema befasst und mächtig unter die Haut kriecht, der liegt bei Fida genau richtig.

Zum Schluss möchte ich noch darauf eingehen, wie Dein persönlicher Schreiballtag bei 'FIDA' aussah. Wie konntest Du Dich auf dieses Thema einlassen? Wie hast Du Dich darauf vorbereitet? Oder hast Du einfach nur geschrieben?

Ich stellte fest, dass ich nachts, wenn ich allein und ungestört bin, eigentlich am besten schreiben kann. Wenn andere schlafen gehen, dann geht es bei mir mit der Arbeit oft erst richtig los. Dabei begleitet mich meist mindestens eine Dose Red Bull und Musik. Aber irgendwelche echten Schreibrituale habe ich eigentlich nicht. Man hat auch Tage, an denen andere Dinge den Kopf füllen oder man gar nicht so richtig zum Schreiben kommt. Das sehe ich, im Gegensatz zu manchen Kollegen, ziemlich locker. Dann schreibe ich eben mal nicht. Ich weiß dafür, dass es mich eines Nachts wieder richtig packen wird und ich dann viel schneller ein viel größeres Stück vorankomme, als wenn ich versuche, es zu erzwingen. Ja, ich glaube, ich schreibe einfach.

Kommentare:

karin hat gesagt…

Hallo und guten Morgen,

interessanter Abschluss dieser Blogtour.

Ein Link zur Autorin/Gewinnspiel wäre noch eine tolle Sache .

Danke..LG..Karin..

Xallaya hat gesagt…

http://stefaniemaucher.jimdo.com/

Stefanies Homepage :)

karin hat gesagt…

Hallo Xallaya,

Danke für den Link. Bin gespannt auf die Fragen.

LG..Karin..

Monja / Nefertari35 hat gesagt…

Dieses Interview ist ein toller Abschluß für diese Blogtour, die wirklich spannend und informativ war.
Ich bins chon sehr auf die Fragen gespannt!
Viele Grüße
Monja (Nefertari191174@web.de)

Sarah Spitz hat gesagt…

Hey du,

ich lese deinen Blog gerade zum ersten Mal und mag ihn sehr!!!
Hier sind meine Gedanken zu Büchern und dem Bücherschreiben:

http://lasagnolove.blogspot.de/2013/06/you-get-to-decide-what-to-worship-ii.html

Liebe Grüße,
Bambi (von Birdy und Bambi)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...