[Kolumne] Von guten Rezensionen und ehrlicher Kritik


Viele kennen mich auf meinem Privataccount auf Facebook. Viele tuen es aber auch nicht, deswegen wird wohl mein erster Beitrag genau das Thema sein, welches mich in der vergangenen Woche ziemlich mitgenommen hat.

Für diejenigen, die wissen, wovon ich rede, die werden schon wissen, was mich aus der Bahn brachte, für alle diejenigen, die mich jedoch nicht auf Facebook kennen oder denen den es schlichtweg egal ist, wer hinter diesen Rezensionen steckt, den werde ich nur kurz aufklären.

Vor längerer Zeit erhielt ich eine Anfrage, ob ich denn ein Buch rezensieren mag und die Beschreibung machte wirklich Lust auf mehr, weswegen ich sagte, dass ich es gerne lesen und rezensieren würde.
Nach ein bisschen hin und her bat man mich dann die Rezension auf allen mir zur Verfügung gestellten Plattformen zu teilen. Natürlich ist diese für mich kein Problem, vor allem, wenn man mich danach fragt, weil ich ja sonst eigentlich eher nur hier auf dem Blog meine Rezension schreibe und diese dann durch die Verknüpfung mit Twitter und Facebook verbreite.

Also begann ich das Buch, welches mir bereitgestellt wurde zu lesen. Ich las und las. Las mich tapfer durch die Seiten, die manchmal verwirrende Aneinanderreihungen hatten und auch zu viele Figuren und Wesen in sich bargen, die es mir nicht gerade einfach machten voranzukommen.
Schließlich war das Ende erreicht und ich tat mich zu Beginn schwer diese Rezension zu verfassen. Sie sollte ja gut überlegt sein. Leser das bieten, was er sich von einer Rezension wünscht. Die ehrliche Meinung zu lesen. Zu lesen, wie man sich als Rezensent während des Lesens gefühlt hat. Wie man die Figuren, die Welt, die Idee und die Sprache empfunden hat. Und ganz klar ist dabei auch, dass jeder einen anderen Geschmack hat.
Schon oft wurde ich nämlich gefragt, warum ich denn eine Leseempfehlung vergebe, obwohl ich dem einem oder anderem Buch nur einen Stern oder zwei gegeben habe. Ganz klar: Was mir nicht zusagt, dass wird einem anderen gefallen können. Und was ich anmerke, dass was mir nicht gefiel, dass kann auch dem anderen nicht gefallen oder umgekehrt.

Denn eines ist meine Rezension: Sie ist kein Gefallen, die ich einem tue, sondern meine persönliche Meinung. Selbst wenn es sich ganz eindeutig um Rezensionsexemplare handelt. Um junge, erfolglose, Erstautoren oder um die, die schon in einem Verlag Fuß gefasst haben. Meine Meinung ist immer die, die ehrlich ist. Die die ich veröffentlichen will. Die die ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann.

Aber nun, nachdem ich dies jetzt einmal abgeklärt habe, kommen wir zu dem zurück, worum es geht. Ich weiß, ich schweife gerne einmal ab. Mich kurz zu fassen, ist, denke ich mein größtes Problem. Das wirklich größte Problem. Und ja, Wiederholungen gehören auch dazu, um meine Aussage zu unterstreichen.

Nachdem ich die Rezension zum Rezensionsexemplar hochgestellt hatte (also auf Amazon, Booklikes, Facebook, Twitter und meinem Blog hier), wurde ich angeschrieben von der Autorin und meinte, sie ist erschüttert von meiner Rezension. Sie habe eine befreundete Autorin (nennen wir sie also mal Freundin), welche ihr gesagt habe, dass ihr Reader vermutlich Textpassagen verschluckt. Dies fand ich dann auch unter meiner Rezension bei Amazon. Also schrieb ich der Autorin, dass ich keinen Reader besitze, ihre PDF Datei auf meiner PDF App über das Handy lese (ja, ich gehöre zu den wenigen, die als Blogger keinen eReader besitzt und lese stattdessen lieber über mein Smartphone) und schickte ihr die technischen Daten. Ich denke einmal, dass die Seitenanzahl stimmte und meinte, dass meine Rezension sie nicht herunterziehen sollte, keineswegs verletzten, da ich weiß wie viel Arbeit und Geld in ein Projekt fließen kann.

Jedoch ist dies immer noch nicht der Hauptpunkt, doch zu diesem kommen wir wirklich gleich, denn wir nähern uns mit großen Schritten. Besagte Autorin (ich nenne keine Namen, so viel Rufmord möchte ich nicht begehen, aber spitzfindige Leser werden schnell wissen, um wen es sich handelt) schrieb, ob es möglich wäre die Rezension von Amazon herunter zu nehmen.
Doch darauf ließ ich mich nicht ein. Auch ich habe Zeit investiert um die Story von ihr zu lesen und eine Rezension zurückzunehmen ist ungefähr so, wie als würde ich mich selbst verleugnen. Mich selbst und meine Meinung. Außerdem wäre das keineswegs seriös, vor allem, weil auch viele Verlage auf meine Meinung bauen, viele Leser und auch viele Autoren.

Schließlich kam sie zu dem Punkt, dass ich es doch demnächst gefälligst mit dem Autor besprechen sollte, wenn mir dieses oder jenes Buch nicht, so rein gar nicht gefallen hat. Ich solle doch vorher überlegen, bevor ich eine schlechte Kritik auf Amazon stelle und somit die Chance nehmen könnte, dass ein Leser sich wegen meiner Rezension gegen den Kauf entscheiden sollte. Dass es bei mir nur um meinen Blog gehen würde, eine Freizeitbeschäftigung, keineswegs etwas, was Arbeit bereitet oder mit dem man sich länger als ein paar Stunden beschäftigt. Und bevor ich jetzt beleidigt rüber komme, meine, dass schon in vielen Bewerbungen mein Blog der Ausschlaggebende Teil war, weswegen ich eingestellt wurde oder weswegen man mich einlud, bleibe ich mal beim Thema: Ab weiter geht es zwischen die Zeilen.

Also geht es ihr nicht um die Geschichte an sich, sondern um das liebe Geld? Will sie keine ehrliche Kritik, keine angemessene Diskussion, keine Auseinandersetzung mit ihrem Buch, sondern nur stummes Zustimmung anhand von fünf Sterne Rezensionen, die dem Käufer nur Bewunderung und eine heile Welt vorspielen?
Ist es nicht Sinn und Zweck einer Rezension den Leser Schwächen und Stärken eines Romans aufzuzeigen?
Ist es nicht Sinn und Zweck, ein Mittel für den Autoren sich weiterzuentwickeln, zu wissen, dass man das Grundgerüst sehr gut gefunden hat, dennoch aber die Ausführung noch besser zu machen ist?

Ist der Dialog nicht das, worauf es ankommt? Und wenn ich gemein wäre, würde ich sie direkt fragen, ob es denn ein Grund gibt, warum sie bisher so wenig Rezensionen hat, die alle so schwärmend sind, ohne wirklich darauf einzugehen, was wirklich in dem Roman passiert? Ob sie es vielleicht schon bei einem renommierten Verlag probiert habe . . .
Aber nein, ich möchte nicht gemein sein. Jeder hat seine eigene Meinung, nicht jeder der Rezensionen auf Amazon veröffentlicht, hat eine Ahnung darüber, wie es am besten ist sich über das Gelesene auszutauschen, sich darüber in einer Rezension auszulassen. Ich selbst nicht einmal, ich selbst habe nur ein kleines Buch über Literaturkritik gelesen. Und noch längst keine Ahnung, welche Kniffe es gibt, worauf man ganz speziell achten sollte und was anzuprangern ist.
Doch auf eines achte ich ganz speziell und auch darauf bin ich stolz: Meine eigene Meinung, welche ich in keiner Weise zurückziehen werde.

Und ich finde genau dies ist der beste Abschluss für den ersten Teil meiner Kolumne, für einen Teil, der mich in der vergangenen Woche mitgenommen hat und für den ich zum Teil Zuspruch, so wie Ablehnung erhalten habe. Jeder hat seine eigene Meinung, und ich will keineswegs, dass ihr die eure sofort nach der meinen ausrichtet. Nein, ich will einen Denkanstoß verursachen, ein bisschen Raum zum Diskutieren geben und um sich eine Meinung zu bilden, diese zu vertreten und zu verteidigen, weil wir immer ein nettes Weil in unserer Meinung haben.

Aber ich denke, dass ist eine andere Debatte.

Kommentare:

Justine Wynne Gacy hat gesagt…

Richtig so - ich muss auch immer wieder Kritik einstecken. Das gehört eben dazu - und es allen recht machen geht auch nicht.
Sich darüber aufzuregen das du deine Meinung gesagt hast ist schlicht lächerlich ...

Liebe Grüße

Justine

Anja Druckbuchstaben hat gesagt…

Hey =)

Mir ist es bisher noch nie passiert, dass ich wegen einer schlechten Bewertung so angegangen wurde. Was ich an Bücherblogs so liebe, ist die ehrliche Meinung. Wir können uns total für etwas begeistern, das uns gefallen hat, aber genauso gut teilen wir Kritik aus. Solange diese berechtigt und gut begründet ist. Manchmal animiert mich eine schlechte Bewertung sogar eher ein Buch zu lesen, weil mir eben genau das gefällt, was bei anderen nicht so gut ankommt oder weil ich mir ganz einfach gerne eine eigene Meinung bilde.
Nunja, schwarze Schafe gibt es immer, du darfst dich bloß nicht runterziehen lassen =)

LG
Anja

Sarah von ZeilenSprung hat gesagt…

Hey Anja

ja auch mich haben schon ziemlich schlechte Rezensionen dazu angehalten etwas zu lesen und mir meine eigene Meinung zu bilden. Manchmal ist es dann die gleiche Meinung, manchmal auch eine vollkommen andere. So geht das einem aber auch mit den guten Rezensionen.
Wie gesagt, deswegen vergebe ich immer eine Leseempfehlung, denn irgendwer liest genau das, was ich nicht gemocht habe ;)
Nun, es ist nicht so, dass es mich herunter gezogen hat, sondern es hat mich aufgeregt. Die eigene Meinung ist vor allem uns Buchbloggern sehr wichtig, wie ich es es schon mitbekommen habe.
Erst heute nämlich bin ich über die Diskussion von Bücheraxt gestolpert, in der es um ein ähnliches Thema wie das meine geht (hier mal der Link, wenn wer Lust zum reinlesen hat: http://buecheraxt.blogspot.de/2015/04/blogger-united-autoren-die-sich-uber-3.html). Man sieht also, leider gibt es scheinbar viele schwarze Schafe, die sehr gerne die Meinungsfreiheit abschaffen würden, wenn es um ihr eigenes Buch geht, in welches sie so viel Schweiß, Arbeit und Geld investiert haben.

Mir gefällt es sehr, dass auch du die Unterschiedlichkeit der Buchblogs als größten Merkmal hervorhebst. Denn das ist es neben den unterschiedlichen Genres. Die Meinung, die jeder vertritt.

LG
Sarah

Bücheraxt Blog hat gesagt…

Ist ja echt ein bisschen witzig, dass unsere Themen so zusammen fallen!
Traurig, dass du so etwas schon am eigenen Leib erfahren musstest :-/. Amazonrezensionen traue ich häufig nicht wirklich über den Weg, vor allem wenn es nur 5-Sterne-Rezensionen gibt. Selbst bei meinem allerallerliebsten Buch würde ich bei amazon auch 1- oder 2-Sterne Bewertungen sehen, denn jedem gefällt etwas anderes. Wenn man dann aber Bücher (von 'neuen' Autoren) bei amazon findet, die nur aus 5-Sterne-Rezensionen bestehen und die, wie du schon sagtest, ziemlich inhaltsleer daherkommen, dann entsteht ganz schnell der Eindruck, dass die Rezensionen erbeten oder erkauft worden sind. Da sind mir ehrliche Bewertungen im Mittelbereich doch viel lieber! Ich lese meistens die 3-Sterne-Rezensionen, um mögliche Schwärmer und Pessimisten auszusieben und hoffentlich eine objektive Meinung zu erhalten.

LG Bücheraxt

Verena normalistlangweilig hat gesagt…

Ganz ehrlich? Ich lese am liebsten die Rezensionen, die keine 5 Sterne beinhalten. Die sind meistens viel spannender...:-) aber das gehört zum Bloggen dazu! Ehrlichkeit, aber auch Begründungen und "Beweise" und das scheinst du ja zu tun! Also alles richtig gemacht! Und wer nicht damit leben kann...hm...LG

Anonym hat gesagt…

Klar ist es bitter, als Autor eine negative Rezension zu bekommen, vor allem weil man an dem veröffentlichten Werk ja nichts mehr ändern kann. Aber ich finde das ehrliche Feedback immens wichtig, um zu sehen, ob die Geschichte so ankommt, wie ich mir das gedacht habe. In meinem Fall hat eine 16-jährige mein Buch gelesen und mittelmäßig bewertet, weil sie mit der älteren Protagonistin nicht "warm" wurde. Das ist absolut in Ordnung und hilfreich für andere Leser aus der gleichen Ziel- bzw. Altersgruppe.

Eure Rezensionen finde ich gut durchdacht, fundiert, ihr analysiert Plot, Stil und Figurenentwicklung, und wer behauptet, das wäre eine "Freizeitbeschäftigung, die nur ein paar Stunden in Anspruch nimmt" hat wohl noch nie eine (ausführliche) Rezension geschrieben.

Ich persönlich freue mich über ein kritische Rezension (kein Verriss, darüber freut sich niemand) bei der ich merke, derjenige hat sich mit der Geschichte ernsthaft auseinander gesetzt, mehr, als über : "Hach das ist so toll, das muss man lesen."

Und als Leser gebe ich auf diese "hach" Rezensionen nichts. Es gab auch Bücher, da haben mich die 2-3 Sterne Rezensionen zum Kauf bewegt. Es kommt immer darauf an, WAS bemängelt wird. Schwierige, sperrige Protagonisten z.B.? Liebe ich, lese ich gerne. Andere schreckt das ab.

LG
Karin

Amelie hat gesagt…

Sarah, das kenn ich nur ZU gut. Wobei ich zu den Leuten gehöre, die Selfpublisher immer vorher fragen, bevor sie eine Rezension schreiben, die negativ ausfällt. Das liegt aber auch daran, dass ich oft dann gar nicht mehr das Bedürfnis habe, eine Rezension zu schreiben und wie du auch verdammt noch mal ziemlich gut angemerkt hast, ist es auch nun einmal so, dass eine Rezension (und ein Blog) ne Menge Arbeit bedeutet. Ich finde, es ist ein Angebot, was ein Rezensent einem Autoren machen kann, die Rezension nicht zu schreiben, aber verlangen kann der Autor das nicht.
Ich weiß sebst, dass es nicht gerade geil ist, wenn man eine negative Rezension einstecken musst, aber deine Rezensionen sind nie niedermachend oder unsachlich. Sondern ehrlich. Und der Unterschied ist es einfach, der entscheidend ist.
Ich hab mir aber auch schon so oft Kritik anhören müssen für meine Rezensionen... xD Wobei ich sagen muss, dass ich das eine oder andere Mal durchaus niedermachend und unsachlich gewesen bin.

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