[#girlonthetrain] Leseabschnitt 1: Anfang - Seite 93



So, der erste Leseabschnitt ist geschafft. Ihr könnt euch nun über meine Gedanken im Beitrag informieren ;) Oder auf die Rezension warten . . .



Rachel


Seite 11 bis 31

Freitag, 05. Juli 2013 bis Donnerstag 11. Juli 2013
Morgen und Abend wechseln sich wie Protokolle ab. Der Zug von innen ein ständiger Begleiter auf der Suche nach mehr Farbe.


Zwischen den Worten, mit denen wie Rachels Welt wahrnehmen, steckt eine Figur zwischen den Klischees und der Realität fest. Gefangen im Alkohol und mit der Welt nicht klar kommend, wirken ihre Anwandlungen manchmal äußerst neurotisch. Sie geben Anklänge, lassen Worte und Taten anders klingen, als man im ersten Moment als Leser denkt. Nach wenigen Zeilen, zwischen all den Gedanken, was andere Leute über sie denken, lässt sie einen wissen, dass die Doppeldeutigkeit ihres Ausdrucks bisweilen absichtlich ist.
Sie ist gefangen in sich, getrieben zu denken, zu handeln, kann den Stillstand nicht leiden, weil sie sich selbst in diesem befindet. Sie beobachtet, analysiert und reagiert auf Reize ihrer Außenwelt und doch, doch zweifelt sie an den Dingen, die andere Leute über sie denken. Hasst es sogar, dass andere Leute sie falsch einschätzen, hasst es, dass Leute sie überhaupt einschätzen. Ihr allein bleibt dies vorbehalten. Ihr allein bleibt das Spiel der Gedanken, während der Alkohol ihren Verstand vernebelt, sie sich an manche Episoden nicht mehr erinnert und sie sich dann schämt als wäre sie ein ungezogenes Kind gewesen.
Voller Widersprüche in sich, weil sie nicht so sein will, weil sie ihr altes Leben wieder will, nicht diese Situation in der sie sich befindet. Aber alles was ihr bleibt sind die unregelmäßigen Besuche bei den Anonymen Alkoholikern. Dort, wo sie sie sein kann, selbst wenn sie sich schämt und keine Hilfe annehmen will. Obwohl es ihr alle sagen, dass sie ihr Leben in den Griff bekommen soll.
Doch sie ist gefangen. Gefangen in sich und ihrer eigenen kleinen Welt. Eine Welt, in der weggeworfener Müll zu einer Blutspur werden kann, in der ein Geschäftsmann nervös wirkt, weil er ganz bestimmt eine eMail an seinen Geschäftspartner in New York schreibt.
Alles ist besser, als ihr eigenes Leben.



Megan



Seite 32 bis 47

Mittwoch, 16. Mai 2012 bis Dienstag, 25. September 2012
Morgen und Abend wechseln sich wie Protokolle ab. Der Zug von außen in unmittelbarer Nähe, ein Sinnbild für die Veränderung die sie sich selbst wünscht, den Takt, in dem ihr Leben einmal gewesen ist.

Gefangen in der ständigen Monotonie der vorzeigbaren Vorstadtehefrau. Wissend für Höheres bestimmt zu sein, aber keinen wirklichen Elan aufbringen zu können, um Bewerbungen fertig zu stellen. Viel zu schnell ablenkbar, wenn etwas in der unmittelbaren Nähe passiert, ja weg aus dem eigenen Leben, mehr Aufregung, mehr Schein als Sein. Und doch eine Aufgabe zu haben, der nicht zum Inhalt des Kleiderschrankes passt.
Alles zum Interesse der eigenen Neugierbefriedigung. Überall ist es besser, auch wenn der Babygeruch so wenig zu ihr passt wie die Outfits in einen Kindergarten. Und dennoch verwoben mit dem Leben einer anderen, ohne zu wissen wie, warum und mit wem, während das Neuerfinden sich seinen Weg durch den Lebenslauf bahnt. Ohne Halt und ohne Sinn, alles neu macht der nächste Morgen.
Nicht wissend, und dennoch voller Wissbegier, sich Sachen suchend, dem Nichtsein zu entgehen, der Tragödie, dem Tod, der eigenen Vergangenheit. Gefangen im eigenem Sein, der Schlaflosigkeit und Apathie. Gefangen zwischen den Idealen, denen es manchen zu erstreben gilt, aber man keinesfalls so sein will.
Keiner dieser Pilatesmädels, keiner dieser sich nach Pausen sehenden Mütter oder der hippen allwissenden Muttis, deren Kinder schon nach dem Hörensagen besser zu sein scheinen, als die ausgestellten Künstler in der pleite gegangenen Galerie. Und auch nicht wie die vielen nicht besonders gut verdienenden Pärchen, die sich nach was Besserem umzuschauen in diesem Pub. Ja kein Leben das so monoton sein könnte, aber auch kein Leben, indem man nicht ganz genau weiß, neben wen man am nächsten Morgen aufwacht.
Sie will nicht sein wie die anderen, will nichts und doch alles. Verliert sich in Anderssein und lässt sich schleifen, während die Vergangenheit in ihr Leben tritt und sie keineswegs dazu bereit ist sich nicht von ihr einnehmen zu lassen.



Rachel



Seite 48 bis 70

Freitag, 12 Juli 2013 bis Sonntag 14. Juli 2013
Morgen und Abend wechseln sich wie Protokolle ab. Der Zug von innen ein ständiger Begleiter, ein Ort an dem sie sich wohlfühlt, an dem sie träumen und ihrem Alltag entfliehen kann.

Der Alkohol ist ein Begleiter, der ihr hilft, gegen den sie sich zum einen wehren, als auch hingeben will. Sie braucht ihn und braucht in zugleich nicht. Geht einen Schritt auf ihn zu und weicht ihm gleich einen Schritt seitwärts aus. Die Vergangenheit holt auch sie ein. Eine schönere Zeit, in der sie weit mehr als dieses Elend von Klischee gewesen ist. Eine Zeit, in der sie sich so wohlgefühlt hatte. Eine Zeit, in der sich ihr Traumpaar vom viktorianischen Haus befindet. Dennoch wird sie aus der Bahn geworfen, will nicht sehen, dass ihr Traumpaar scheinbar ähnliche Probleme hatte wie sie in ihrer Vergangenheit. Es nimmt sie mit, lässt sie nicht los. Es erinnert sie noch zu sehr an das von Damals, an die Zeit, als es passierte. Als sie aufhörte auf Wolke sieben zu schweben mit ihrem Tom. Denn „eine eMail [ist], die zeitgemäßere Version der Lippenstiftspur am Kragen.“ (Seite 49 Zeile 31 bis 32)
Es lässt sie selbst abends nicht los, sodass sie in ihr altes Leben wandert, ohne wirklich zu wissen, warum ihre Füße sie dorthin trugen. Und plötzlich holt sie ihr ehemaliges Leben in Form von Anna ein. Und der Kreislauf von dem flüssigen Gift lässt ihre Sinne schwinden. Lässt sie aggressiv und ausfällig werden, lässt Annas und Tims Beziehung als minderwertig und „secondhand“ bezeichnen. Und auch danach driftet ihr Leben ab, lässt sie so berechenbar werden, wie Alkohol ihre Kehle hinab rinnt. Lethargie und Hass, auf ihr vergangenes Leben, nehmen ihr den Willen, lassen sie zu einem Zombie werden, der sich nicht selbst helfen kann.
Versucht ihr Traumpaar vor diesem Schicksal zu retten. Um ihretwillen. Um sich besser zu fühlen, damit sie weiter träumen kann.
Erste Zweifel, erste Gedanken, lassen mich als Leser wieder zu Seite 9 springen. Lassen mich rätseln, lassen mich nachdenken, ob Wut und Hass dazu geführt haben könnten, weil Megan ihrem Anschein nach ja ebenso hinterhältig ist wie ihr Exehemann. Doch wäre das nicht zu einfach? Wäre es nicht viel besser, wenn genau nicht das Offensichtliche geschehen wäre?
Rachel ist alleine, alleine gelassen von ihren scheinbaren Freunden, die ihr vorher helfen wollten, aber jetzt keineswegs mehr die Kraft aufbringen können. Oder den Willen sie an die Hand zu nehmen, aus ihrer Sucht zu helfen.



Megan



Seite 71 bis 77

Dienstag, 02. Oktober 2012 bis Samstag, 13. Oktober 2012
Morgen und Abend wechseln sich wie Protokolle ab. Der Zug von außen, ein Geräusch, das aufschreckt, dass sie mitnimmt, weit weg trägt und doch wachrüttelt.

Selbstverletzendes Verhalten, sich fühlen, weil man nicht mehr klar kommt. Weil man Angst hat. Überfordert, nicht am rechten Platz. Überfahrend, gestresst, übertönt. Unternehmungen, um sich abzulenken. Ihn, um sich abzulenken. Irgendetwas, um dem hier zu entkommen. Zweifel, die sie nicht wahrhaben will, Zweifel, die sie nicht haben dürfte, weil sie ihn ja ebenfalls betrügt und er sich nur in Sicherheit wiegen will. Mittlerweile beziehen die nächtlichen Anrufe sich für mich auf einen bestimmten Mann, auf einen, der sich scheinbar nie wohlfühlt bei einer Frau, wenn es ihm zu viel wird. Ich werde schauen, ob diese Gedanken sich bewahrheiten, ob Anna immerzu Rachel richtig verdächtigt, oder ob es noch eine andere Frau gibt, die in Toms Leben getreten ist.
Sie verstrickt sich, ist selbst nicht ehrlich. Weder zu ihm, noch zu sich selbst, weder zu Scott, noch zu irgendjemand anders.



Rachel



Seite 78 bis 83

Montag, 15. Juli 2013 bis Montag, 15. Juli 2013
Morgen und Abend wechseln sich wie Protokolle ab. Der Zug von innen, ein Traum, ein Gefühl, das einzig scheinbare Zuhause.

Ihre Welt bricht zusammen, dennoch lässt sie erst im Zug die Gefühle heraus. Denkt darüber nach, was andere von ihr denken, obwohl es ihr im selben Moment durch den Kopf geht, dass es ihr egal zu sein scheint. Dennoch ist die Meinung der anderen Passagiere ihr wichtiger denn je. Wie sieht sie jemand? Was denkt er? Was glaubt er zu wissen? Sie zerbricht, versucht sich an den schönen Erinnerungen zu klammern. Versucht aufzutauchen und gleitet dadurch weiter hinab.
Nun spitzen sich die Dinge zu, lassen das erscheinen, was sie noch mehr aus der Bahn wirft.



Megan



Seite 84 bis 93

Donnerstag, 10. Januar 2013 bis Freitag 08. Februar 2013.
Morgen und Abend wechseln sich wie Protokolle ab. Der Zug von außen, ein bloßes warnendes Geräusch zum Aufbruch, zur Veränderung.

Ihre Melancholie nimmt einen mit, lässt einen wissen, dass sie ausbrechen will und dennoch Angst hat. Angst, obwohl sie dieses Leben nicht mag. Nicht mag gefangen zu sein, sich nicht jeden Tag neu zu erfinden.
Ihre Vergangenheit ist es, was ihr den Halt entzieht, was sie nicht wahrhaben will und gleichzeitig immer versteckt. Was sie vor allem vor ihrem Mann geheim hält. Was sie ihm nie sagen würde können.
Züge sind auch in ihrem Leben etwas, was sie schon immer begleitet. Etwas, dass sie an eine andere Zeit erinnert.
Ein Zitat, ein kurzes Aufflackern einer zuvor gelesenen Stelle, schnelles zurückblättern auf Seite 9, bringen das zu Ende, was ich wissen wollte. Wie es weitergeht mit diesem Gedicht, mit diesen Strophen. Was sich dahinter verbirgt.

Ein weiterer Verdacht wird in meinem Kopf aufgeworfen. Zu normal. Zu durchschaubar. Schnell verworfen.

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