[Montagsfrage] Wie lange brauchst du im Schnitt für ein Buch von ca. 300 Seiten? War das schon mal anders?

Die Montagsfrage bei Buchfresserchen

Ein Buch mit 300 Seiten kann vieles sein. Ein Schmöker, das nächste Lieblingsbuch oder aber auch ein Griff ins Klo. Es gibt vieles Möglichkeiten und deswegen ist es auch so verschieden, wie lange man dafür braucht, nicht wahr?
Die heutige Montagsfrage stellt zur Diskussion, welche Zeit man benötigt, um ein circa 300 Seiten langes Buch zu lesen.
Und ich beteilige mich am dieser Diskussion.

Wer kennt das nicht? Das Buch hat genau das, was man als Vorliebe für ein schnelles Lesen benötigt.
Für mich sind das Faktoren wie: Gefällt mir der Schreibstil? Sind die Figuren logisch und sympathisch? Bleiben diese in Klischees gefangen oder sind sie interessante Charaktere?
Ist der Plot nicht eine zigste Nacherzählung von anderen Geschichten? Oder setzt er Neues um? In welcher Verbindung steht er zu den Figuren?

Also eigentlich genau das, wonach ich meine Rezensionen auch aufbaue.
Und wenn alles stimmt, wenn man mitdenken muss, sich unterhalten und angesprochen fühlt, da geschieht es auf einmal.
300 Seiten sind im Nu weg. Kennt ihr das auch? Das hoffe ich, denn diese Magie ist überwältigend.

Jetzt könnte ich damit prahlen, dass ich im Schnitt und je nach Format unterschiedlich lange für ein Buch dieser Dicke brauche. Habe ich es haptisch und es deckt sich mit meinen Erwartungen brauche ich so ungefähr 3 Stunden dafür. Ich bin ein Schnellleser, wenn es darum geht.
Aber manchmal zieht sich ein Buch auch. Nicht nur, weil es schlecht ist, sondern weil ich auch über eine eBook App auf meinem Smartphone lese. Hier brauche ich deutlich länger für ein packendes Buch.
Warum? Ich nehme mal an, es liegt einfach daran, dass das Gefühl für die Schwere des Buches in meinen Händen nicht greifbar ist. Dass die Augen brennen und das Umblättern mit einem Stups passiert. Also zumindest ist das bei mir so.
Leseexemplare sind mir wirklich als gedrucktes Buch lieber; generell liebe ich Printexemplare. Ich kann sie ins Regal stellen, anschauen und beim Lesen zwischen die Zeilen springen.

Ich liebe das Printbuch, weil es mich mehr in seinen Bann zieht. Und deswegen lese ich es auch schneller.
Dann wundere ich mich plötzlich, dass die letzte Seite so schnell gekommen ist. Und ärgere mich. Ärgere mich darüber, dass ich jetzt aus der Welt auftauchen muss.
Mir ist es schon einmal passiert, dass ich ein Buch extra langsam gelesen habe. Um alles in mich aufzusaugen.
Wer liebt es denn nicht sich in einer Welt zu verlieren, in welcher man sich wohlfühlt? In welcher man zum denken angeregt und zum handeln animiert wird?
So koste ich, neben den schnellen Büchern auch die wundervollsten aus. Wie einen guten Tropfen Wein oder besonderen Whisky.
Ein zu schneller Genuss ist reizvoll für den Rausch, aber wenn ich nicht unter Druck stehe, bleibe ich lieber in dieser Welt. Komme Stück für Stück voran und lebe diese Momente, welche mich sonst eigentlich zum rasanten Lesen verleiten.
Gemächlich bleibe ich auf einer Spur, leide, erlebe und witzel mit den Figuren. Koste, decke auf und lasse mich von der Geschichte entführen.

Das ich in einer Stunde rund 100 Seiten schaffe ist zwar gut und schön, aber will ich wirklich aus einer Welt, die mir gefällt so schnell wieder auftauchen? Sie hinunter stürzen und dann eine Rezension verfassen, um zu sagen: "Ich habe es gelesen! Schaut her! Und das nur innerhalb eines Tages nach Erscheinen!"
Nein, eine Geschichte soll nicht nur Gelesen werden in meinen Augen. Hut ab, wenn jemand ein Buch nach dem anderen verschlingt (es gab so Zeiten, wo dies auch bei mir geschehen ist), doch ein Juwel verdient es auch betrachtet zu werden, nicht wahr?

Deswegen liebe ich es, unabhängig meiner schnellen Lesezeit nicht nur zu konsumieren, sondern zu erleben. Den Stil zu analysieren und nicht nur über die Stilmittel wie ein Sturm hinweg zu fegen. Ich liebe es die Figuren lebendig werden zu lassen und ihnen nicht nur Stunden meiner kostbaren Zeit zu geben. Sondern vielleicht auch Tage.
Man begegnet so vielen Menschen viel zu kurz. Zu viele interessante Charaktere gehen damit verloren. Da muss ich nicht auch durch ein Buch rennen, obwohl ich es könnte.

Denn ist es nicht viel schöner, dass ein geliebtes und fantastisches Buch einen länger begleiten sollte als nur ein paar Stunden? Wird man dem nächsten Lieblingsbuch denn noch gerecht, wenn man es nur konsumiert und es nicht auskostet, sondern wie alles andere herunterschlingt? Ohne richtig zu kauen? Ohne den Geschmack zu würdigen, der sich auf der Zunge sammelt, wenn sich das Aroma entwickelt?

Ich liebe es schnell zu lesen, wohl aber eher bei anderen Büchern. Die Blütenlese, die richtig besonderen dürfen mich länger als nur ein paar Stunden begleiten. Konsum steht für mich hierbei eher an letzter Stelle, wie bei so vielen schönen Dingen im Leben.
Also ist es nicht egal wie schnell man liest? Oder muss man erst den Vergleich anstellen, dass Momente mit den Liebsten Seiten sind?
Will man nicht eher den Moment genießen und später nach mehr streben?

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