[Rezension] Fantasievoll, witzig und spannend: Ypsilon. Lass dich nicht fangen von Andreas Hüging

Ypsilon. Lass dich nicht fangen von Andreas Hüging bei Oetinger

PRODUKTDETAILS:

Titel: Ypsilon. Lass dich nicht fangen
Reihe: -
Autor: Andreas Hüging
Gelesene Sprache: Deutsch
Illustrator: Miri D'Oro
Genre: Phantastischem Abenteuerroman im Kinderbuchbereich
Empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Herausgeber: Oetinger34 (ein Imprint der Verlag Friedrich Oetinger GmbH)
Erscheinungstermin: 22. Februar 2016
ISBN: 978-3-95882-109-5
Format: Hardcover
Seitenzahl: 288 Seiten
Preis: EUR 12,99

PRODUKTINFORMATIONEN:

Kurzbeschreibung:
Mit einer Goldmünze ins Land, das nicht sein darf: In Ypsilon, einer Hochhaussiedlung am Fluss, verbreiten Chicco und seine Jugendgang „Boyzz“ Angst und Schrecken. Auch die zwölfjährigen Zwillinge Mascha und Jossi leben dort. Eines Nachts retten die beiden einen Hund vor den Schikanen der „Boyzz“. Dicht gefolgt von der Gang fliehen sie zum Fluss – und stolpern über eine Tasche voller goldener Münzen. Als eine davon ins Wasser rollt, erscheint am Ufer plötzlich ein altertümliches Floß. Ein unheimlicher Fährmann bringt die Zwillinge in eine fremde Welt, wo ein verbotenes Lied und ein verfluchter Junge über ihr Schicksal entscheiden werden.

Der Verlag über das Buch:
Ypsilon, lass dich nicht fangen ist eine atmosphärische, düstere und schnelle Abenteuergeschichte von Andreas Hüging.

Über den Autor:
Andreas Hüging ist im Münsterland aufgewachsen, danach arbeitete er mehr als zwanzig Jahre als Musiker, Texter und Komponist in Hamburg.In dieser Zeit hat er sich mit unterschiedlichsten Musikrichtungen beschäftigt und mit einer Vielzahl von Künstlern zusammengearbeitet. Er hat zahlreiche CDs veröffentlicht, Musiktitel für Filme geschrieben und ist mit verschiedenen Bands durch Europa und die USA getourt. Inzwischen lebt er mit seiner Lebensgefährtin in Bad Bentheim und Berlin, wo er seit zwei Jahren auch Kinder- und Jugendbücher schreibt.

DIE BEWERTUNG

Meinung:
Mit viel Wortwitz und Ideenreichtum, wird man tiefer in die Welt rund um Ypsilon gefangen genommen, bis man am Ende atemlos zurückbleibt.

Das Cover/Die Gestaltung:
Das Cover, gestaltet von Miri D'Oro wird durch seinen plastischen Scherenschnittstil zu einem Eycatcher, der sich auffällig von anderen Kinderbüchern in diesem Genre abhebt. Besonders die Bäume mit vielen lebendig wirkenden Tieren, funktionieren wie aufgereiht, geben dem Cover etwas dreidimensionales, sodass der Blick zum Titel des Buches gelenkt wird. Dieser hebt sich deutlich hervor, da er umrandet ist, mit etwas, dass einem Medaillon gleicht.
Schlägt man das Buch auf, so wird man mit Bildern überrascht, welche mit einer Geheimschrift versehen sind. Diese ziehen den Betrachter gleich mit in seine eigene Welt. Wer hier schon ein bisschen rätseln will, der kann sich herrlich daran auslassen, was vor allem für Kinder gleich noch einmal ein Bonuspunkt birgt (oder aber für alle Knobler, die sich nur jung fühlen und gerne auf Rätselreise gehen).
Die gelungene und einfallsreiche Darstellung der beiden Städte am Ende des Buches wirken durch die Aufmachung wie ein Pop-up Buch.
Die kleinen Zeichnungen zu Beginn eines Kapitels lassen ebenso Spannung aufkommen, ohne zu viel Preis zu geben. Nichts ist schöner als durch dieses Buch zu blättern und sich in die Straßen von Ypsilon ziehen zu lassen, immer und immer tiefer hinein.
2,0/2,0 Punkten

Die Sprache/Der Satzbau:
Andreas Hügings Schreibstil birgt neben kindgerechter Spannung auch fantasievolle Umschreibungen, welche jedoch nicht ausufernd oder kitschig wirken.
Der Autor bedient sich einer alltäglichen Sprache, welche von Kindern verstanden werden kann. So wird auf Seite 51 zum Beispiel der einzig fremdsprachige Satz aus dem Lateinischem ins Deutsche übersetzt. Damit wird das Kind weder über- noch unterfordert.
Dennoch findet er keine kitschigen Umschreibungen, sondern passende Metaphern. So wird die Sprache trotz ihrer einfachen Verständlichkeit für Kinder zu einer bunten Welt, die man sich bildlich und auch akustisch vorstellen kann. Andreas Hüging spielt hierbei mit der Sprache, findet neue Vergleiche und lässt die Kinder somit auf eine Sinnesreise gehen. Mit dieser Mischung aus alltäglicher Sprache und bildhaften Metaphern bleibt dieses Buch einfach lesbar, lässt den Kindern aber noch viel Platz für Fantasie.
2,0/2,0 Punkten

Die Figurentiefe/Die Figurenentwicklung:
Andreas Hüging lässt mehrere Personen zu Wort kommen. So findet ein Wechsel zwischen verschiedenen Protagonisten statt, welche für den Verlauf der Geschichte wichtig sind. Die beiden Zwillinge Jossi und Mascha sind neben dem Grafen und einer Bande von Fängern und einem Raufbold aus ihrer Welt die Hauptakteure in dieser abenteuerlichen Geschichte.
Zwar bedient sich der Autor bei den Zwillingen dem eher üblichen Kniff (dass sie wie Tag und Nacht verschieden sind), dennoch schafft er es, nicht in die üblichen Klischees zu verfallen und die Figuren in eine Schublade zu drängen. Ganz im Gegenteil sogar: er lässt – aufgrund von Entscheidungen der Figuren – diese mit einer Ernsthaftigkeit agieren, dass man ihnen getrost deren eigene Geschichte nachvollziehen kann. Gerade deswegen gibt es auch Entwicklungen, welche den Leser in seinen Bann ziehen und ihn so jeden Satz mitfiebern lassen.
Man hofft und bangt, wagt und zittert. So sehr, dass man die einzelnen Figuren in all ihren Eigenschaften gleichzeitig liebt und hasst.
Denn der Autor schreibt nicht nur über Helden oder den bösen Tyrannen, sondern er beschreibt auch auf seine Weise lebensechte Figuren. Figuren, die ein Herz haben und die nicht nur schwarz und weiß sind. Sie sind grau. Durch dieses Grau bleibt auch die Geschichte nicht nur spannend, sondern lädt dazu ein über die Figuren und das große Abenteuer rund um die Stadt Ypsilon nachzudenken. Hüging will, dass der Leser die Figuren liebt wie hasst und sich zugleich freut, wenn der Groschen für die Veränderung endlich so schnell ins Rollen gekommen ist, dass man ihn nicht mehr aufhalten kann oder will.
2,0/2,0 Punkten

Der Plot/Der Geschichtsverlauf:
Die beiden grundverschiedenen Zwillinge Mascha und Jossi begeben sich durch eine Verfolgungsjagd unbewusst in eine ihnen unbekannte Welt, in welcher nichts mehr ist wie es einmal war. Dort geraten sie in weitere gefährliche Abenteuer, bei denen sie sich ihrer Vergangenheit und den Ängsten stellen müssen. Doch nicht nur ein Tyrann hat dort die Finger im Spiel und so verweben sich die Welten miteinander und eine geheimnisvolle Jagd beginnt.
Mit diesen drei Sätzen lässt sich grob die Geschichte erzählen, ohne zu viel zu verraten. Andreas Hüging schafft es hierbei super beide Welten miteinander zu verbinden, sodass die Erzählstrukturen aufweichen und man zwischen ihnen gelegentlich hin und her springen muss, um den Figuren bei ihren Abenteuern zu folgen. Dabei spielt ein böser Tyrann, der sein Volk unterjocht ebenso eine große Rolle wie die Thematik des Mutes. Diese wird hier deutlich hervorgehoben, sodass einzelne Figuren im Geschichtsverlauf über ihren eigenen Schatten springen und sich verändern können. Bei dieser Veränderung ist der Handlungsverlauf ebenso wichtig, da beides einander untrennbar miteinander verwoben ist.
Während man also den beiden Hauptfiguren folgt, bildet sich ein weiterer Erzählstrang, der mit den beiden Zwillingen parallel verläuft, ohne dass sie voneinander ahnen.
Das Ganze baut sich geradlinig und mit der Zeit auf, sodass man nicht von Geheimnis zu Geheimnis hetzt, sondern nach und nach die Welt rund um Ypsilon erfährt und immer tiefer in sie eintauchen kann.
Doch während die beiden Haupthandlungsstränge von Beginn an gezielt geführt werden, wirken einige leider wie schnell reingenommen. So kommt das Ende mit seiner Aufklärung viel zu schnell und plötzlich löst sich alles so einfach auf, obwohl etwas geschehen war, dass mehr Zeit braucht, als das urplötzliche Auftauchen einer Figur. Zu schnell gingen diese Zeilen vorüber, in denen man sich wie hektisch hin und hergeworfen fühlt, um dann atemlos wieder auf der anderen Flussseite anzukommen. Hier vergibt sich, meiner Meinung nach der Autor ein Teil der Glaubwürdigkeit, welche er so geradlinig ausgeführt hat. Zwar hat besagte plötzlich erscheinende Figur auch eine Vorgeschichte, aber diese hätte mit präsenteren Einblicken mehr an Wahrhaftigkeit gewinnen können als es in dieser Vollendung aufgeführt ist.
Trotz dieses eher schnell abgehakten Endes ist der Schluss, vor allem für die kleineren Leser rund, wirft für die Größeren aber noch so einige Fragen auf, wenn man sich mit dieser Thematik beschäftigt, welche durch die Reise aufgeworfen wurde.
1,5/2,0 Punkten

Der Aufbau/Die Nachvollziehbarkeit:
Durch Figuren, welche ebenso für die Plotentwicklung wie für das Vorankommen des Lesers wichtig sind, bleibt diese Geschichte in seinem Aufbau geradlinig und einander bedingt. Es wird mit geschickt gesetzten Geheimnissen und deren Auflösung gespielt, sodass man als Leser nicht plötzlich das Gefühl hat in der Luft zu hängen oder überschwemmt zu werden mit Informationen. Nur am Ende wirkt alles irgendwie leicht gedrungen, sodass sich hier einem der Verdacht aufdrängt, dass etwas fehlt oder alles schnell zum Ende gebracht werden musste. Ein paar mehr Seiten hätten an dieser Stelle Wunder gewirkt.
Lässt man diese Handlung außer Acht, ergibt sich ein Gesamtbild, welches in sich geschlossen und schlüssig ist. Kleinere Kinder werden in den Figuren entweder sich oder Freunde wieder erkennen (oder auch Bösewichte aus Buch, Film und Fernsehen). Aus dieser Tatsache ergeben sich auch die nachvollziehbaren Handlungen. Denn diese werden für die kleinen Leser einfach gehalten, sodass sie trotz dieser fantasievollen Geschichte auch alles miteinander verknüpfen können.
1,5/2,0 Punkten

Fazit:
Mit 9,0 von 10,0 Punkten vergebe ich all denjenigen die Leseempfehlung, die ein Kind Zuhause haben, welches auf eine abenteuerliche Reise geschickt werden will. So wird nicht nur das Thema von Geschwistern aufgenommen, sondern auch mit Mut gegen böse Tyrannen gekämpft. Dabei wird aber nicht außer Acht gelassen, dass alles kindgerecht bleibt, keine blutrünstige Gewaltdarstellung dem jungen Leser verschreckt oder er überfordert ist mit zu vielen action- oder nichtgreifbaren Szenen.
An dieser Stelle bedanke ich mich bei dem Oetinger34 Team für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.
Diese Rezension entstand dank der Netzwerk Agentur Bookmark, durch welche ich an der Leserunde auf Lovelybooks teilnehmen und dieses Buch lesen und rezensieren konnte.
Gerne verweise ich auch an dieser Stelle nochmals auf mein Leserprofil bei diesem Projekt des Friedrich Oetinger Verlags, bei welchem ich nicht nur in die entstehenden Projekte Einblick habe, sondern mit meinen Rezensionen auch den Autoren helfe.


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