[Rezension] Aufwühlend, erschreckend und faszinierend: Nichts. Was im Leben wichtig ist von Janne Teller


Titel: Nichts. Was im Leben wichtig ist
Reihe: -
Autor: Janne Teller
Gelesene Sprache: Deutsch
Genre: Realistusches Kinder- und Jugendbuch
Herausgeber: Hanser Verlag
Erscheinungstermin: 26. Juli 2010
ISBN: 978-3-446-23596-0
Format: Hardcover
Seitenzahl: 144 Seiten
Preis: EUR 12,90
Kaufen bei: Hanser; Buchhandel; Amazon

PRODUKTINFORMATIONEN:

Kurzbeschreibung:
"Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun." Mit diesen Worten schockiert Pierre alle in der Schule. Um das Gegenteil zu beweisen, beginnt die Klasse alles zu sammeln, was Bedeutung hat. Doch was mit alten Fotos beginnt, droht bald zu eskalieren: Gerda muss sich von ihrem Hamster trennen. Auch Lis Adoptionsurkunde, der Sarg des kleinen Emil und eine Jesusstatue landen auf dem Berg der Bedeutung. Als Sofie ihre Unschuld und Johan seinen Zeigefinger opfern mussten, schreiten Eltern und Polizei ein. Nur Pierre bleibt unbeeindruckt. Und die Klasse rächt sich an ihm...

Der Verlag über das Buch:
Eine erschütternde Parabel über das Erwachsenwerden, Erziehung und Gewalt in unserer Gesellschaft.

Über die Autorin:
Als Konfliktberaterin von EU und UNO war die 1964 geborene Dänin in allen Teilen der Welt unterwegs; seit 1995 arbeitet sie als freie Schriftstellerin. In ihren Erzählungen und Romanen für Erwachsene, Jugendliche und Kindern beschäftigt sie sich stets mit den großen Fragen des Lebens.

DIE BEWERTUNG

Meinung:
Ein erschreckend schönes Buch über den (Un)Sinn des Lebens, das aufrüttelt. Der Frage nachgehend Was hat eigentlich Bedeutung? erwartet den Leser Gänsehaut pur.

Das Cover/Die Gestaltung:
Das Cover ist eine perfekte Ergänzung und Untermalung zum Buch. Zeigt es doch… Nichts, außer der Farbe Weiß und den farbigen Lettern des Buchtitels und des Namens der Autorin.
Diese Zurückhaltung ist umso wichtiger, da das Buch inhaltlich so viele Bilder bereithält, dass keine Abbildung auf einem Cover ihm gerecht werden könnte.
2,0/2,0 Punkten

Die Sprache/Der Satzbau:
Einfach und direkt ist die Sprache des Buches. Sie ist zeitgemäß, nah an den jugendlichen Protagonisten, doch kann sie auch für sich stehen. Losgelöst aus dem zeitgenössischen Kontext, ist es eine klassische Sprache, die dem Buch eine zeitlose Eleganz und Bedeutung verleiht.
Mit präzisen, gekonnten Beobachtungen und interessanten Zuschreibungen lässt Janne Teller den Leser in die Welt der Protagonisten vollständig eintauchen.
Die Geschichte um den Bedeutungsberg wird in der Ich-Perspektive retrospektiv aus Sicht einer Erwachsenen geschildert. Die erzählende Figur, es ist in der Geschichte die 14-jährige Agnes, erinnert sich an die Geschehnisse aus der damaligen Zeit. Dabei hat man als Leser jedoch niemals das Gefühl, das eine Erwachsene erzählt. Die Situationen und die Geschichte wird aus den Augen einer Jugendlichen erzählt.
2,0/2,0 Punkten

Die Figurentiefe/Die Figurenentwicklung:
Tellers Figuren sind allesamt sehr gelungen, sehr menschlich. Sie glauben von sich selbst, dass sie gute Menschen wären, die den richtigen Weg gehen. Doch mit den auf sie zukommenden Situationen und Geschehnisse haben sie nicht gerechnet.
Da verhalten sie sich ganz anders als gedacht; sie geraten alle in Konflikt mit sich selbst, ihren Erwartungen und ihrem Verhalten. Der Leser wird immer wieder überrascht von den lebensnahen und komplizierten Personen, die versuchen, den Mitschüler von der Bedeutung der Bedeutung und dem Sinn dahinter zu überzeugen.
Da die Figuren äußerst vielschichtig sind, ist der sich zuspitzende Konflikt noch spannender, noch grausamer als sich der Leser vorstellen kann.
Und eines demonstrieren die Figuren wirklich sehr gut: Alle Menschen sind grau, nicht schwarz und weiß. Je verbissener sie versuchen ihren Mitschüler von ihrer Meinung zu überzeugen, desto mehr steigert sich das eigene Fehlverhalten, das den Leser den Puls und die Anspannung in die Höhe treibt.
2,0/2,0 Punkten

Der Plot/Der Geschichtsverlauf:
Eine Gruppe von Jugendlichen will unbedingt beweisen, dass ihr Mitschüler Pierre Anthon Unrecht hat, was seine Meinung über die Bedeutung angehe. Er meint, dass nichts eine Bedeutung, einen Sinn hat und deshalb man sich nicht anstrengen muss, sondern nur in den Tag hineinleben sollte.
Die jugendlichen Protagonisten glauben das nicht, denken Pierre Anthon wolle nur die Schule schwänzen.
Es entspinnt sich ein verhängnisvoller Streit, in dem die Jugendlichen versuchen wollen, ihren Mitschüler von der Bedeutung zu überzeugen. Ihre Aufgabe ist es, etwas das Bedeutung für jeden Einzelnen hat, ins Sägewerk zu bringen. Immer wieder wird ein Jugendlicher nominiert, etwas dort hinzubringen, etwas Bedeutungsvolles auf diesen Berg zu opfern. Und dieser Berg voller Bedeutung wächst an. Und mit jeder neuen Nominierung
spitzt sich das Abverlangte immer weiter zu. Als ein (inter)nationales mediales Interesse an diesem Bedeutungsberg entsteht, kulminiert der Konflikt zwischen Pierre Anthon und den anderen Jugendlichen. Am Ende geschieht Schreckliches, das die Ich-Erzählerin der Geschichte als Kind nicht fassen konnte.
2,0/2,0 Punkten

Der Aufbau/Die Nachvollziehbarkeit:
Die Geschichte beginnt mit einem Paukenschlag und endet auch so. Gleich von Anfang an entspinnt sich die Frage um Bedeutung, Sinn und Unsinn (von Dingen, vom Unterricht, ja vom Leben selbst), indem Pierre Anthon behauptet, es habe nichts Bedeutung und er bräuchte nicht in der Schule zu sein. Am Beispiel des Schulverweigerers und dessen nihilistischen Einstellung als Gegensatz und Antagonist zu den anderen Jugendlichen kommt es zur Auseinandersetzung dieser beiden Gruppen und zu dem Projekt Bedeutungsberg.
Durch die Grundkonstellation und Gegensätzlichkeit der Figuren erwartet der Leser bald einen Höhepunkt. Den bekommt er auch, aber häppchenweise. Immer wieder gibt es kleinere Höhepunkte, die dann alle in dem großen Höhepunkt kulminieren. Dieser ist gleichzeitig der Wendepunkt und das Ende der Geschehnisse. Hier tauchen Fragen auf, welche die Autorin klugerweise unbeantwortet lässt. Denn so lädt das Ende ein, sich selbst die Fragen nach Sinn und Bedeutung zu stellen. Unweigerlich will man wissen, was aus den Figuren nach dem Ende des Projektes geworden ist. Zum Teil wird es geklärt, aber andererseits bleibt vieles im Dunkeln. Denn das ist nicht die Frage, der Janne Teller in Nichts nachgeht.
2,0/2,0 Punkten

Fazit:
Mit 10,0 von 10,0 Punkten vergebe ich all denjenigen die Leseempfehlung – ob alt oder jung – die sich von dem großen Thema Bedeutung sowie dem teilweise erschreckenden Inhalt nicht abschrecken lassen.
In Dänemark gehört das Buch zur Schullektüre. Zu Recht. Denn Nichts ist eines dieser Bücher, die mit einer spannenden Geschichte dem großen, großen Geheimnis von Leben und Bedeutung mit einzigartiger Sprache auf den Grund geht.
Es bleibt jedoch dem Leser überlassen, wie er den Bedeutungsberg und die Frage nach Bedeutung und Sinnlosigkeit einschätzt. Die Erzählerin gibt nur teilweise Antwort darauf, denn sie kann nur für sich sprechen, nicht für die anderen. Das ist die größte Stärke dieses großartigen Buches.

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