[Rezension] Einfühlsam, nachdenklich und ehrlich: Susi, die Enkelin von Haus Nummer 4 und die Zeit der versteckten Judensterne von Birgitta Behr [Graphic Novel]

Susi, die Enkelin von Haus Nummer 4 bei arsEdition
Bildquelle: Buchhandel.de


PRODUKTDETAILS:

Titel: Susi, die Enkelin von Haus Nummer 4 und die Zeit der versteckten Judensterne
Reihe: -
Autor: Birgitta Behr
Gelesene Sprache: Deutsch
Genre: Graphic Novel ab 10 Jahren
Empfohlenes Lesealter: ab 10 Jahren
Herausgeber: arsEdition
Erscheinungstermin: 19. September 2016
ISBN: 978-3-8458-1525-1
Format: Hardcover (als Vorableseexemplar als eBook gelesen)
Seitenzahl: 112 Seiten
Preis: EUR 12,99

PRODUKTINFORMATIONEN:

Kurzbeschreibung:
Ein berührendes Buch über die wahre Geschichte eines jüdischen Mädchens im Zweiten Weltkrieg, das sich jahrelang vor den Nazis verstecken musste und - dank der Hilfe von Freunden, aber auch von völlig Fremden - überlebte.

Der Verlag über das Buch:
Es ist ein Buch, das mit eindrücklichen Bildern vom Grauen einer vergangenen Zeit erzählt, aber auch von Solidarität, Freundschaft und Mut - und damit den Bogen zur heutigen Zeit schlägt, zu den Bemühungen um Frieden und Toleranz in unserer Gesellschaft.

Über den Autor/Illustrator:
-

DIE BEWERTUNG

Meinung:
Diese Graphic Novel schafft es durch seine Bilder, seine Handlung und dem Text eine einfühlsame Gesichte über die Vergangenheit zu erzählen.

Das Cover/Die Gestaltung:
Zerknittertes Papier. Rot/weiß umrandete Buchstaben und mitten in der trist wirkenden Umgebung Susi. Susi mit ihren schwarzen Haaren, mit ihrem scheuen und ängstlichen Blick.
Dieses Cover spricht einen an, ob man nun will oder nicht. Es lässt einen nicht kalt. Gerade weil es eben so trist auf der einen Seite wirkt und man erst dann Susi und das weiß/rote Band erblickt. Wie ein Hoffnungsschimmer. Wie eine Irritation des Auges, dass man dem Band unbedingt ins Innere folgen sollte.
So nimmt dieses Cover nicht den Schrecken, verharmlost nicht, sondern stimmt schon einmal ein. Und gibt somit einen Einblick in die Handlung, in das Können der Autorin, welche ebenso als Illustratorin an diesem Werk gearbeitet hat.
Die Illustrationen reichen von tatsächlichen Bildern bis hin zum Graphic Novel (also angelehnt an den Stil des Comics mit seinem Aufbau, mit seiner Sprechweise in Gedanken- und Sprechblasen und auch mit seinen Bildern) und auch Montagen. Besonders fällt einem hier der Faden auf, der in Rot Weiß gehalten ist. Er führt nicht nur durch das ganze Buch, sondern hat auch eine sehr hohe und wunderbare Bedeutung, an der sich Susi festhalten kann. Dies schafft vor allem in den düsteren Bildern einen Fixpunkt, der alles auflockert, alles ins Gute und Reine bringt.
2,0/2,0 Punkten

Die Sprache/Der Satzbau:
Birgitta Behr lässt in diesem grafischem Roman ihre Figuren, ihre Handlungen und all das grausame Geschehen über Wort und Bild sprechen. Ihre Worte treffen einen, lassen Beklemmung, Bedauern und ebenso Hoffnung in einem aufsteigen. Kindgerecht und dennoch nicht um den heißen Brei wird über das Thema der Judenverfolgung, Konzentrationslager und auch über Hitler berichtet. Mit informellen Hintergrundinformationen und in typischer Graphic Novel Manier, die sich abwechselnd in die Erzählung des Hauses einwebt, bleibt man nahe an den Figuren, nahe am Thema und bekommt so dennoch mehr mit als wenn man nur aus der Sicht der Figuren lesen, beziehungsweise schauen würde.
2,0/2,0 Punkten

Die Figurentiefe/Die Figurenentwicklung:
Durch die Aufteilung Erzählung und Figurennähe, wird zum einen das Innenleben der Figuren in manchen Situationen durch die Gedanken- und Sprechblasen nahe gebracht, wiederum jedoch auch weiteres Hintergrundwissen vermittelt, indem das Haus seine Geschichte parallel erzählt. So folgt man auf wahren Begebenheiten den Figuren, erlebt mit, wie sie ihren Job verlieren, als Juden gebrandmarkt werden und dennoch dank vieler Unterstützer überleben können.
Durch diese Aufteilung ergibt sich ein Bild, was nicht nur informiert, sondern diese ganze Geschichte auch für Kinder erträglich werden lässt. Es ist nicht zu viel und auch nicht zu wenig von der Realität entfernt. Zeigt die Grausamkeit und bleibt dennoch dort distanziert, sodass ein Kind es schafft das Gelesene zu verarbeiten, darüber zu sprechen und es aufzunehmen.
2,0/2,0 Punkten

Der Plot/Der Geschichtsverlauf:
Susi, mitten in der Zeit der Naziverfolgung hineingeboren, hat es als Jüdin nicht leicht. Ihr Haus Nummer 4 muss sie verlassen, weil ihre Eltern und sie ums Überleben kämpfen müssen.
Das Interessante am Plot ist, dass die Geschehnisse nicht nur auf einer wahren Tatsachen beruhen, sondern auch weitere Hintergründe, Fakten und Begebenheiten durch den Erzähler aufgebracht werden. So kann der junge Leser sich weiterbilden und dann mit Susi zusammen mitfiebern, welche von Haus zu Haus wandert, von Stadt zu Stadt, damit sie und ihre Familie nicht festgenommen und deportiert werden.
Vor allem werden solche Dinge, welche für die Figuren mehr als wichtig sind in der typischen Graphic Novel Manier bebildert und dem Leser nahe gebracht.
Das ganze bekommt so einen authentischen und emotionalen Beigeschmack. Dieser Beigeschmack kann selbst für erwachsene Leser manchmal sehr beklemmend sein, sodass bei Kindern darauf geachtet werden sollte, dass es beim Lesen mit seinen Fragen nicht alleine gelassen werden sollte.
2,0/2,0 Punkten

Der Aufbau/Die Nachvollziehbarkeit:
Durch den nahen historischen und familiären Bezug bleibt die Nachvollziehbarkeit in allen Dingen gegeben. Vor allem wenn es um das Einzelschicksal der Figuren geht, werden Fakten und Bilder im Stil des grafischen Romans gehalten. So werden sie vor allem für die Kinder greifbar, können aber auch zu Fragen animieren, weswegen man jüngere Leser schon im Blick haben sollte.
Besonders gut am Aufbau hat mir die Erzählweise gefallen. Es ist das Haus Nummer vier, dessen Geschichte erzählt wird. Und dann noch nebenher die Geschichte des Krieges, die von Susi und vieler anderer Juden, welche sich mit einem Stern schmücken mussten. Die Aufteilung, dass das Haus selbst der Erzähler ist und dann Susi im Comic-Stil ihre eigene Geschichte erlebbar macht, ist eine wirklich gelungene Mischung. So wird Wissen und Emotion miteinander verbunden, ohne zu langweilen.
2,0/2,0 Punkten

Fazit:
Mit 10,0 von 10,0 Punkten vergebe ich all denjenigen die Leseempfehlung, die nicht nur ihren Kindern etwas über die damalige Zeit beibringen wollen, ohne zu wissen wie man es selbst sagen soll. Denn hier wird eine wahre Geschichte erzählt. Eine die ergreift, eine die auch beklemmend sein kann und Fragen aufwirft. Deswegen sollte man bei der Lektüre dabei sein, um etwaige Fragen beantworten zu können. Denn auch wenn viele Hintergrundinformationen mit Register und Zeitstrahl eingebaut sind, können Fragen aufkommen, welche das Buch nicht beantworten kann. Wie zum Beispiel, ob Oma und Opa ebenso dafür waren oder ob der Krieg denn wirklich sein muss, diese Vertreibung, diese Verbrechen.
An dieser Stelle danke ich dem arsEdition Verlag für das zur Verfügung gestellte Vorabrezensionsexemplar.

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